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/ 11.06.2013
Hans-Georg Ehrhart / Martin Kahl (Hrsg.)

Security Governance in und für Europa. Konzepte, Akteure, Missionen

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Demokratie, Sicherheit, Frieden 200); 231 S.; 44,- €; ISBN 978-3-8329-5897-8
Effektive Sicherheitspolitik ist seit dem Ende des Kalten Krieges zunehmend nationalstaatlichem Handeln entzogen. Stattdessen kennzeichnen asymmetrische, multikausale und regional kaum eingrenzbare Bedrohungen den heutigen Sicherheitsbegriff. Da nichtstaatliche Akteure vermehrt in Erscheinung treten, findet Sicherheitsgestaltung immer stärker in informellen Netzwerkstrukturen statt. Trotz des Fehlens einer übergeordneten hierarchischen Instanz müssen verbindliche Vereinbarungen getroffen und quasi regierungsähnliches Handeln erreicht werden. Ehrhart und Kahl geht es darum, Mechanismen dieses übernationalen Aushandelns sicherheitspolitischer kollektiver Maßnahmen zu analysieren. Für den Bereich von Security Governance in Europa steckt die Forschung allerdings noch in den Kinderschuhen. Daher ist dieser Sammelband besonders begrüßenswert, stellen die Autoren doch den Diskussionsstand mittels konzeptioneller, akteursbezogener und fallspezifischer Ansätze dar. Sowohl die Leistungsfähigkeit in den verschiedenen Politikfeldern als auch die Anwendungsprobleme des Governance-Konzepts stehen dabei im Mittelpunkt. Der maßgebliche Vorteil dieses Konzepts sei die realitätsnähere „Analyse komplexer sicherheitspolitischer Probleme und vielfältiger Akteurskonstellationen“ (19), die durch die Abkehr von der staatsfixierten Denkweise erreicht wird. In der Verbindung von Theorie und Praxis liege somit der konkrete Nutzen des Governance-Ansatzes. Da allerdings alle Akteure dem ausgehandelten Kompromiss zustimmen und ihn mittragen müssen, kommt es zwangsläufig nie zu vollständig zufriedenstellenden Lösungen. So bekennt beispielsweise Dennis Bangert in seiner spieltheoretischen Betrachtung des Governance-Konzepts im Rahmen der transnationalen Terrorismusbekämpfung, dass Security-Governance „kein effektives Lösungskonzept“ (68) sei. Obwohl „Security Governance als Praxis […] nur suboptimale Lösungen“ (20) kenne, sehen Ehrhart und Kahl zusammenfassend keine Alternative zur Weiterentwicklung dieses Konzeptes, um den sicherheitspolitischen Herausforderungen unseres Jahrhunderts zu begegnen.
Kieron Kleinert (KIK)
M. A., Historiker und Politikwissenschaftler, Offizier, Bundeswehr.
Rubrizierung: 3.53.62.252.672.632.61 Empfohlene Zitierweise: Kieron Kleinert, Rezension zu: Hans-Georg Ehrhart / Martin Kahl (Hrsg.): Security Governance in und für Europa. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9677-security-governance-in-und-fuer-europa_39534, veröffentlicht am 22.12.2010. Buch-Nr.: 39534 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA