/ 22.06.2013
Tanja A. Börzel / Jana Hönke (Hrsg.)
Security and Human Rights. Mining companies between International Commitment and Corporate Practice
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Schriften des Münchner Centrums für Governance-Forschung 7); 48 S.; brosch., 19,- €; ISBN 978-3-8329-7740-5Das Arbeitspapier enthält die zusammengefassten Ergebnisse der Dissertation von Jana Hönke zum Thema „Liberal Discourse and Hybrid Practice in Transnational Security Governance“ und des Teilprojekts „Business and Governance in Sub‑Sahara Africa“ aus dem SFB 700. Am Beispiel von Regionen mit nur vermindert ausgeprägter Staatlichkeit in der Demokratischen Republik Kongo fragen die Autorinnen, inwieweit freiwillige Selbstverpflichtungen (VP) Menschenrechtsstandards und allgemeine Sicherheit in und im Umfeld von multinationalen Unternehmen (MNC) befördern und durchzusetzen helfen. Der angesichts dieses Erkenntnisinteresses ebenso simple wie zentrale Satz findet sich in der Zusammenfassung: „Making efforts to implement the VPs, MNC remain profit‑oriented.“ (41) Er ist deswegen so zentral, weil er noch einmal explizit mit der verzerrten Vorstellung bricht, der Markt – in diesem Fall die MNCs – würden anstelle des Staates dessen Funktionen im Bereich der Daseinsgrundvorsorge im Rahmen ihrer unternehmerischen Tätigkeit gleich mit besorgen – und das wohlgemerkt aus eigenem, egoistischem Interesse. Dass die „Schlanker‑Staat‑Ideologie“ so nicht funktioniert, belegen die Ergebnisse dieser Studie. Zwar lassen sich für den hier analysierten Fall Fortschritte dahingehend belegen, dass freiwillige Selbstverpflichtungen zum Bestandteil des Selbstbildes des Unternehmens werden und auch im Management Beachtung finden. Über die partiell angebotenen Schulungen von lokalen Sicherheitskräften hinaus – was im Übrigen auf einen sehr verengten Sicherheitsbegriff der MNCs hinweist – lasse sich indes kein nennenswerter Fortschritt in instabilen Regionen ausmachen, so die Autorinnen. Vollends paradox werde das Verhalten der MNCs dann, wenn sie einerseits mit noch vorhandenen staatlichen Sicherheitskräften zusammenarbeiten, auf der anderen Seite aber weder willens noch in der Lage seien, etwaigem Machtmissbrauch durch diese Sicherheitskräfte entgegenzutreten. Als Befund bleibt, dass schwache oder nicht mehr vorhandene Staatlichkeit durch Selbstverpflichtung der Industrie nicht kompensiert werden kann. Da ist die Politik dann auf einmal doch der bessere Markt.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.42 | 2.22 | 2.67
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Tanja A. Börzel / Jana Hönke (Hrsg.): Security and Human Rights. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35688-security-and-human-rights_43096, veröffentlicht am 04.04.2013.
Buch-Nr.: 43096
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA