/ 21.06.2013
Matthias S. Fifka / Nadine Sykora
Scientology in Deutschland und den USA. Strukturen, Praktiken und öffentliche Wahrnehmung
Berlin: Lit 2009 (Politik und Gesellschaft der USA 1); 185 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-643-10248-5Scientology ist in Deutschland negativ konnotiert. Die Autoren stellen fest, dass Befragten in Deutschland zu Scientology zuerst „Begriffe wie ‚Sekte’, ‚Geld’, ‚Gehirnwäsche’ oder ‚Abhängigkeit’“ einfallen. Diese negativen Konnotationen seien in den USA weniger anzutreffen, dort werde Scientology mit Schlagwörtern wie „Tom Cruise“, „celebrities“, „aliens“ und „mysterious“ (11) verbunden. Dennoch rankten sich zu beiden Seiten des Atlantiks viele Gerüchte um die Organisation. Zudem seien in den vergangenen Jahren viele Aussteiger mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit gegangen. Die Autoren versuchen nun Licht ins Dunkel um die Organisation zu bringen. Sie erklären, woran Scientologen glauben und wie sie diesen Glauben praktizieren. Dafür verwenden sie neben Sekundärquellen auch von dem Scientology-Gründer L. Ron Hubbard herausgegebene Publikationen wie das 900 Seiten starke „Scientology Handbook“. Eine weitere wichtige von den Autoren herangezogene Quelle ist das Internet, wo häufig interessante Dokumente von Aussteigern veröffentlicht werden. Darüber hinaus erörtern die Autoren den Umgang von Medien, Politikern und Gerichten mit Scientology. Sie erklären so, was Scientology eigentlich ist und warum so viele Menschen die Expansion der Organisation fürchten. Dies geschieht nicht ohne eine vorherige analytische Klärung des Religionsbegriffes, in der die Termini Religionsfreiheit und Religionsgemeinschaft in die rechtlichen Systeme Deutschlands und der USA eingeordnet werden. Die Autoren diskutieren Scientology damit im gesellschaftlichen und politischen Kontext und stellen die Frage, ob Scientology als Religionsgemeinschaft zu verstehen ist oder nicht. Sie bilanzieren schließlich, dass Scientology zwar auf einem durchaus zweifelhaften Religionsverständnis basiere, von der Organisation als solcher aber dennoch keine ernsthafte, den Staat bedrohende Wirkung ausgehe.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.23 | 2.22 | 2.25 | 2.64 | 2.35 | 2.37 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Matthias S. Fifka / Nadine Sykora: Scientology in Deutschland und den USA. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31389-scientology-in-deutschland-und-den-usa_37358, veröffentlicht am 11.11.2009.
Buch-Nr.: 37358
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