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/ 31.07.2014
Ursula Caberta

Scientology. Die ganze Wahrheit

Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2014; 188 S.; brosch., 17,99 €; ISBN 978-3-579-06630-1
Ursula Caberta legt die Erweiterung des 2007 erschienenen „Schwarzbuchs Scientology“ vor, in der sie die jüngsten Entwicklungen der Organisation vor allem in Europa und den USA sowie die Veränderungen der öffentlichen Haltung zu Scientology darlegt. Um Scientology zu erfassen, ein „in sich geschlossenes System, eine Parallelwelt mit eigenen Gesetzen“ (14), so die Autorin, sind Informationen von Aussteigern die maßgeblichste Quelle. Außerdem liegen Caberta, die 18 Jahre lang die Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde leitete, zahlreiche vertrauliche Schreiben und Berichte des Verfassungsschutzes vor, aus denen sie zitiert. Damit belegt sie unter anderem das große Ziel der Organisation, nämlich die „Erschaffung einer rein scientologischen Gesellschaft“ (16) unter Ausschaltung aller Gegner, und beschreibt den Weg dorthin, den alle Angeworbenen gehen müssen: „Zuerst muss die scientologische Sprache erlernt, der eigene Geist mit den scientologischen Anweisungen in Einklang gebracht und so der Weg zur galaktischen Erkenntnis geebnet werden.“ (44) Die Autorin beschreibt ausführlich das System des Gründers L. Ron Hubbards, die Methoden und Instrumente Scientologys, um Menschen anzuwerben und in der Organisation zu halten, sowie die Veränderungen unter David Miscavige, dem neuen Mann an der Spitze. Miscavige ist unter Scientology aufgewachsen, seine gesamte Sozialisation und Ausbildung fanden dort statt. „Da er zur ersten Kindergeneration Scientologys gehört und ein Leben außerhalb der Organisation im Grunde nie gekannt hat, hat er die zum Teil menschenverachtenden Umgangsformen gegenüber Abtrünnigen bzw. nicht richtig funktionierenden Mitgliedern der Organisation wahrscheinlich schon sehr früh als richtige Lehre verinnerlicht“ (35), so Caberta. Dies erkläre, weshalb ihm als neuer Führungsfigur „maßgebliche Schuld an der Entwicklung zu noch mehr Diktatur und Gewalt“ (37) zugesprochen werde. Auch die politische Einflussnahme habe unter Miscavige weiter zugenommen. Laut Caberta dient diese vor allem dazu, die Kritik an Scientology und ranghohen Mitgliedern einzudämmen. Sie schildert auch die diversen politischen und juristischen Auseinandersetzungen um und mit Scientology und beklagt letztendlich, „dass [in Deutschland] insbesondere staatlicherseits das Interesse, den Schutz vor der Gesellschaft zu erhöhen, eher einer verharmlosenden Gleichmut gewichen ist“ (179). Sie plädiert für ein Verbot und zeigt den Verfahrensweg auf.
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.252.232.642.372.35 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Ursula Caberta: Scientology. Gütersloh: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37352-scientology_45494, veröffentlicht am 31.07.2014. Buch-Nr.: 45494 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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