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/ 03.06.2013
Wolf Linder / Prisca Lanfranchi / Ewald R. Weibel (Hrsg.)

Schweizer Eigenart - eigenartige Schweiz. Der Kleinstaat im Kräftefeld der europäischen Integration

Bern/Stuttgart/Wien: Verlag Paul Haupt 1996; 306 S.; 43,- DM; ISBN 3-258-05318-9
Dokumentation eines Symposions der Akademischen Kommission der Universität Bern im Juni 1995, bei dem die "Kernfragen der schweizerischen politischen Kultur" ergründet werden sollten. Es ging um die Annahme, "dass viele Schweizerinnen und Schweizer glauben, die Haupterrungenschaften [ihres] Zusammenlebens in einer ausgesprochen vielgestaltigen, multikulturellen Gesellschaft lägen im Ausgleich der sozialen Kräfte und in der Machtteilung nach dem Prinzip der Subsidiarität von unten nach oben, und dass all das nur im Rahmen der überschaubaren Ordnung im Kleinstaat möglich sei. Wenn dem so ist, dann liesse sich erklären, warum grosse Teile [des] Volkes befürchten, dass mit einer Integration in die Europäische Union wesentliche Elemente der Schweizer Eigenart gefährdet wären." (13 f.) Gefragt wird, ob diese Vorstellungen Realität oder Mythos, ob es sich hier tatsächlich um Schweizer Eigenarten handelt oder ob sie vielmehr Teil der europäischen Kultur sind. Zur Auseinandersetzung mit den Fragen wurden folgende drei Thesen formuliert: Erstens: "Ausgleich der Kräfte": "Wesentliches Merkmal der schweizerischen politischen Kultur ist das Streben nach Ausgleich der Kräfte in den vielgestaltigen sozialen, regionalen, kulturellen und ökonomischen Wirkungsräumen des Landes." Stichworte hierzu sind: Konsens- und Kompromißkultur, Sozialpartnerschaft, regionaler Ausgleich. Zweitens: "Machtteilung": "Der Zusammenhalt der vielgestaltigen Nation gründet in der ausgewogenen Teilung der Macht zwischen den verschiedenen Teilen des Volkes und seinen Organisationsstufen." Stichworte hierzu sind: Subsidiarität, direkte Demokratie, sprachliche und andere Minderheiten. Drittens: "Kleinstaatlichkeit": "Die in der schweizerischen politischen Kultur tief verwurzelten Prinzipien des Ausgleichs der Kräfte und der Machtteilung sind dank der beschränkten Grösse des Kleinstaates erfolgreich. Gleichzeitig ermöglicht die Kleinstaatlichkeit nach aussen die Unabhängigkeit." Stichworte hierzu sind: Unabhängigkeit von anderen Mächten, die Schweiz als Wirtschaftsmacht, Neutralität (14 f.). Inhalt: Ausgleich der Kräfte: Klaus Armingeon: Konkordanz, Sozialpartnerschaft und wohlfahrtsstaatliche Politik in der Schweiz im internationalen Vergleich (69-84); Hans Keman: Politischer Konsens und Konzertierung: Innenpolitik und die Festlegung politischer Grundsätze in Westeuropa (85-107); Georg Kreis: Eidgenössische Solidarität in Geschichte und Gegenwart (109-127); Richard J. Watts: Schweizerische Identität und der schweizerische Beitrag an Europa: aus der Sicht eines Ausländers (129-142). Machtteilung: Jan Erik Grindheim: Die Europäische Union: von der funktionalen zur territorialen Integration? (145-167); Heidrun Abromeit: Zur Integrationsfreundlichkeit schweizerischer Verfassungsprinzipien (169-180); Wolf Linder: Schweizerischer und europäischer Föderalismus - Gemeinsamkeiten und Unterschiede (181-197); Jean-François Aubert: Défense de la démocratie directe (199-203). Kleinstaatlichkeit: Lorette Coen: La création artistique en Suisse (et les conditions qui lui sont faites) constitue-t-elle un facteur d'intégration à l'Europe? Renforce-t-elle au contraire le Sonderfall? (207-213); Jürg Martin Gabriel: Kleinstaatlichkeit und Identität - oder das Problem der Kontextlosigkeit (215-230); Thomas Cottier: Zwischen Integration und Weltwirtschaft: rechtliche Spielräume der Schweiz nach der Uruguay-Runde des GATT (231-244); Raimo Väyrynen: Schweizerische Identität zwischen Souveränität und Integration (245-261). Schlussreferat: Adolf Muschg: Eidgenossenschaft Europa (265-277). Berichte der Arbeitsgruppen: Albert Tanner / Denis von Burg: Arbeitsgruppe "Politische Aspekte schweizerischer Identität" (281-289); Peter Rusterholz / Eric Facon: Arbeitsgruppe "Kulturelle Aspekte schweizerischer Identität" (291-298); Klaus Neusser / Hansueli Schöchli: Arbeitsgruppe "Wirtschaftlich-soziale Aspekte schweizerischer Identität" (299-304).
Sabine Steppat (Ste)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.53.14.222.23 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Wolf Linder / Prisca Lanfranchi / Ewald R. Weibel (Hrsg.): Schweizer Eigenart - eigenartige Schweiz. Bern/Stuttgart/Wien: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3340-schweizer-eigenart---eigenartige-schweiz_4383, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 4383 Rezension drucken
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