/ 22.06.2013
Herbert Dachs / Roland Floimair (Hrsg.)
Salzburger Jahrbuch für Politik 2010
Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 2010 (Schriftenreihe des Landespressebüros: Sonderpublikationen 180); 218 S.; 23,80 €; ISBN 978-3-205-78641-2Seit über zwei Jahrzehnten erscheint das Salzburger Jahrbuch für Politik (vgl. Buch-Nr. 35986, 26808, 19349) im Zweijahresrhythmus. Ziel der Sammelbände ist es, „das Interesse für Politik in den Ländern zu wecken“ (7 f.), indem Themen aus der Salzburger Politik aufgegriffen, kritisch analysiert und auch in den größeren österreichischen und europäischen Kontext gestellt werden. In ihrem Vorwort gehen die Herausgeber kurz auf die – auch in Deutschland häufig vorzufindende – Kritik am Föderalismus ein und weisen diese zurück. Herbert Dachs analysiert die Salzburger Landtagswahl im Jahr 2009, mit der sich der Status quo der SPÖ als stärkste Partei weitgehend bestätigte. Er sieht die Politik in Salzburg angesichts schwindender finanzieller Mittel vor neue Herausforderungen gestellt, die nur durch „Effizienzsteigerung, Redimensionierung der öffentlichen Aufgaben, durch Einsparungen und Abbau von ungerechtfertigten Bevorzugungen“ (24) gemeistert werden können. Wolfgang Aschauer und Manfred Oberlechner untersuchen quantitativ die Integration von Migranten wie auch deren Wahrnehmung durch die Salzburger Bevölkerung. Den theoretischen Hintergrund dafür bieten die Ansätze von Hartmut Esser und Wilhelm Heitmeyer. Die Ergebnisse zeigen, dass Migranten eine unterprivilegierte Position im Hinblick auf die Ausbildung, den Arbeitsplatz und das Einkommen einnehmen. Gleichwohl beurteilen sie ihre persönliche Integration und die interkulturelle Kommunikation positiver als erwartet. Zudem bemühen sich auch Migranten in niedrigeren sozialen Lagen um eine Akkulturation. Auf der Seite der Einheimischen werden weitgehend stereotype Sichtweisen festgestellt wie die Ansicht, dass es sich bei Zuwanderern um Menschen am unteren Rande der Gesellschaft handele. Fremdenfeindliche Ansichten der Einheimischen werden von den Autoren vor allem auf individuelle Dispositionen wie den niedrigen Bildungsgrad und auf gesellschaftliche Faktoren wie ein allgemeines Misstrauen zurückgeführt. Eine weitere Erkenntnis ist, dass die Migranten eine Integration sowohl in ihre Herkunftsgesellschaft als auch in die österreichische Gesellschaft wünschen, während die Einheimischen mehrheitlich eine vollständige Anpassung fordern. Die übrigen Beiträge in dem Jahrbuch sind u. a. der Klimapolitik, der Instrumentalisierung der Kunst durch die Politik und der Zukunft der Gemeinden gewidmet.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.4 | 2.21 | 2.22 | 2.261 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Herbert Dachs / Roland Floimair (Hrsg.): Salzburger Jahrbuch für Politik 2010 Wien/Köln/Weimar: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33594-salzburger-jahrbuch-fuer-politik-2010_40221, veröffentlicht am 29.11.2012.
Buch-Nr.: 40221
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA