/ 21.06.2013
Javier Ponce
Sackgassen des Helfens und Möglichkeiten von Entwicklung. Eine Bilanz aus Lateinamerika. Aus dem Spanischen von Birte Pedersen
Münster: Westfälisches Dampfboot 2008; 240 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-89691-742-3Der ecuadorianische Journalist und Schriftsteller Ponce liefert einen Rückblick auf 30 Jahre Entwicklungszusammenarbeit in Lateinamerika. In einer Art Ansammlung von persönlichen Beobachtungen sowie den Aussagen, Interview- und Tagebuchausschnitten von Entwicklungshelfern unterlässt es der Autor ganz bewusst eine These aufzustellen oder bestimmte Entwicklungsmodelle zu empfehlen. Vielmehr möchte er die Beziehungen der Entwicklungsorganisationen und ihrer Mitarbeiter zu den lateinamerikanischen Nichtegierungsorganisationen und der dortigen Bevölkerung aus einer subjektiven Perspektive heraus darstellen. Dabei versucht Ponce auch die Gründe für das Ausbleiben erfolgreicher Entwicklungsmaßnahmen aufzudecken. Beispielsweise beklagt er die eurozentristische Sichtweise vieler westlicher Entwicklungsprogramme, denen es nicht gelingt, ihre Perspektive von oben herab zu überwinden und die somit durch „eine kolonialistisch gefärbte Solidarität“ (40) geprägt seien. Doch auch die internen Machtverhältnisse in den Entwicklungsländern, die von rassistischen und ausgrenzenden Staatsstrukturen getragen werden, macht der Autor für die fehlgeschlagene Armutsbekämpfung verantwortlich und veranschaulicht dies an Beispielen aus seiner persönlichen Erfahrung. In seinen Reflexionen über die Geschehnisse der letzten Jahrzehnte werden auf eine etwas willkürliche Weise Themen wie Globalisierung, die Gefährdung indigener Identitäten, die bestehenden Herrschaftsstrukturen oder Fragen des Humanismus angesprochen. Schließlich diskutiert der Autor in Ansätzen Vorschläge einer reformierten Entwicklungszusammenarbeit, die den Forderungen und Zwängen einer globalisierten Welt gerecht werden will. Aufgrund einer fehlenden klaren Struktur und Fragestellung sowie einer bisweilen etwas holzschnittartigen Behandlung der Themen ist das Buch nicht als Einführung geeignet. Für interessierte Leser mag jedoch die hier gewählte Perspektive spannend sein, die von einem lateinamerikanischen Blickwinkel ausgehend offen die Probleme thematisiert, die in der wissenschaftlichen Diskussion nur am Rande angesprochen werden.
Karin Neck (KVN)
M. A., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.65 | 2.2 | 4.44
Empfohlene Zitierweise: Karin Neck, Rezension zu: Javier Ponce: Sackgassen des Helfens und Möglichkeiten von Entwicklung. Münster: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29245-sackgassen-des-helfens-und-moeglichkeiten-von-entwicklung_34582, veröffentlicht am 12.08.2008.
Buch-Nr.: 34582
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M. A., Politikwissenschaftlerin.
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