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/ 05.06.2013
Hans-Åke Persson

Rhetorik und Realpolitik. Großbritannien, die Oder-Neiße-Grenze und die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg

Potsdam: Verlag für Berlin-Brandenburg 1997 (Frankfurter Studien zur Grenzregion 3); 215 S.; brosch., 44,- DM; ISBN 3-930850-64-8
Der Autor ist Professor an der Universität Lund in Schweden. In seiner Arbeit untersucht er die wechselnden Grundsätze und Interessen Großbritanniens in der Übergangszeit von der Anti-Hitler-Koalition bis zum Beginn des Kalten Krieges. Als Analysegrundlage für die Untersuchung der internen Prozesse in der britischen Regierung hat Persson sich die drei Modelle ausgesucht, die Graham Allison in seinem Buch zur Kuba-Krise "Essence of Decision" entwickelte. Großbritannien unterstützte in der ersten Nachkriegsphase noch seinen Schutzbefohlenen Polen ebenso wie den Kriegsverbündeten Sowjetunion und befürwortete deshalb auch die Vertreibung ethnischer Deutscher aus Mittel- und Osteuropa. Dies änderte sich allerdings mit dem Aufkommen des Kalten Krieges. Eine konsistente, auf höchster Ebene beschlossene Politik hinsichtlich der Vertreibung vertrat Großbritannien allerdings zu keinem Zeitpunkt. Man war eher überrascht von den außergewöhnlichen zahlenmäßigen Dimensionen des Problems und bekam die organisatorischen Konsequenzen nie richtig in den Griff. Die Vertreibung war im großen und ganzen anderen politischen Zielen stets untergeordnet. Persson kommt zu dem Schluß, daß die trotzdem gestarteten Versuche, die Vertreibung als Mittel für andere Zwecke einzusetzen "doch eher als eine Folge von Zufälligkeiten als ein taktisches Manöver" betrachtet werden sollten (194).
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.222.612.622.313 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Hans-Åke Persson: Rhetorik und Realpolitik. Potsdam: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7624-rhetorik-und-realpolitik_10126, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10126 Rezension drucken
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