/ 12.06.2013
Margrit Frölich / Yariv Lapid / Christian Schneider (Hrsg.)
Repräsentationen des Holocaust im Gedächtnis der Generationen. Zur Gegenwartsbedeutung des Holocaust in Israel und Deutschland
Frankfurt a. M.: Brandes & Apsel 2004 (Arnoldshainer Interkulturelle Diskurse 4); 255 S.; pb., 19,90 €; ISBN 3-86099-327-5Das innere, individuelle Erleben des Umgangs mit dem Holocaust - auch in der Literatur und im Film - steht im Mittelpunkt dieses Bandes. Im Hintergrund steht dabei die Feststellung, dass der Holocaust in Israel und in Deutschland auf jeweils eigene Weise eine „staatstragende Qualität“ (8) besitzt. Mit dem Sterben der „geschichtlichen Akteure des Holocaust“ (9) verändere sich allerdings dessen Wahrnehmung. Die Herausgeber meinen, dass zumindest in der deutschen Debatte eine differenzierende Neubewertung erfolge, die keine moralische Relativierung sei. Schneider beleuchtet diese sicher strittige These im Schlusskapitel vor allem aus psychoanalytischer Sicht, die auch in den anderen Beiträgen dominiert. Politikwissenschaftlern ist der Band damit nur eingeschränkt zu empfehlen. Er geht auf zwei Tagungen zurück, die 2003 an der Evangelischen Akademie Arnoldshain stattfanden.
Aus dem Inhalt:
I. Gedächtnis, Erinnern, Gedenken
Jakob Hessing:
Polen, Deutschland, Israel: Gedächtnisse (11-27)
Ilka Quindeau:
Spur und Umschrift - Erinnerung aus psychoanalytischer Perspektive (28-41)
Marion M. Oliner:
Die externalisierende Funktion von Gedenkstätten (42-61)
Julia Resnik:
Holocaust-„Gedächtnisorte“: Die Konstruktion der nationalen Erinnerung im israelischen Schulwesen (62-89)
II. Kunst und Kreativität als Verarbeitungsformen des Traumas
Ilany Kogan:
Trauma, Resistenz und Kreativität. Beobachtungen aus Analysen von Kindern Holocaustüberlebender (90-111)
Doron Kiesel:
Zur Konstruktion visueller Identitäten: Darstellung der Shoah im israelischen Film am Beispiel von Tsipi Reibenbachs Film „Wahl und Schicksal“ (112-122)
Margrit Frölich:
Lebensläufe, Familiengeschichten und „deutsche Zustände“ nach dem Holocaust: Angelika Levis Film „Mein Leben Teil 2“ (123-138)
Meike Herrmann:
Spurensuche in der dritten Generation. Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust in der jüngsten Literatur (139-157)
Amia Lieblich:
Die Darstellung von überlebenden Kindern des Holocaust in der Gegenwartskultur (158-171)
III. Generation und Identität
Jackie Feldman:
Israel als Enklave: Inszenierungen jüdisch-israelischer Identität in Polen (172-202)
Viola B. Georgi:
Nationalsozialismus und Holocaust im Selbstverständnis von Jugendlichen aus Einwandererfamilien (203-221)
Jens Fabian Pyper:
Die zukünftige Bedeutung des Holocaust aus der Sicht der „dritten“ Generation (222-233)
Christian Schneider:
Der Holocaust als Generationsprojekt. Generationsgeschichtliche Anmerkungen zu einer deutschen Identitätsproblematik (234-252)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.63 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Margrit Frölich / Yariv Lapid / Christian Schneider (Hrsg.): Repräsentationen des Holocaust im Gedächtnis der Generationen. Frankfurt a. M.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14274-repraesentationen-des-holocaust-im-gedaechtnis-der-generationen_25742, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25742
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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