/ 22.06.2013
Stefanie Hiß / Sebastian Nagel
Ratingagenturen zwischen Krise und Regulierung
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012; 321 S.; brosch., 44,- €; ISBN 978-3-8329-6903-5Spätestens seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 sind die Ratingagenturen endgültig in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt; die Kritik an ihnen befindet sich seitdem auf einem Höhepunkt. Bereits in der Asienkrise 1997 war ihnen vorgehalten worden, dass sie die Entwicklung in Asien zwar nicht rechtzeitig vorhergesehen hatten, dafür später aber umso härter bewerteten. Seit dieser Zeit hat es von Seiten der Politik immer wieder neue Regulierungsansätze gegeben, die helfen sollten, zukünftige Krisen zu verhindern – das bedeutet auch, dass sich die Ratingagenturen seitdem in einem institutionellen Wandel befinden. Dieser Wandlungsprozess steht im Mittelpunkt der Studie von Hiß und Nagel. Sie klären über die Rolle und Funktionen der Ratingagenturen auf, analysieren den Prozess des Ratings und stellen die Verfehlungen der Agenturen sowie Ansätze zu deren Regulierung dar. So erfährt man, dass neben harten Zahlen und Fakten auch qualitative Faktoren, wie „Marktposition“ (116) oder eine „starke Aufsicht und Kontrolle“ (118) Einfluss auf die Bewertung durch die Ratingagenturen haben. Auf diesem Fundament aufbauend werden die Phasen des institutionellen Wandels in den vergangenen 15 Jahren beschrieben. Dabei werden vor allem gesetzliche Regelungen untersucht. Es zeigt sich, dass auf exogene Schocks eine Phase der „Theorisierung“ (196) folgt, in der Reformvorschläge durch eine Vielzahl an Akteuren gemacht werden, die schließlich in gesetzliche Regelungen münden, die zu einem Änderungsprozess innerhalb der Agenturen führen. Angenehm bescheiden verzichten die Autoren auf Vorschläge und Patentlösungen. Vielmehr wird der institutionelle Wandel dargestellt, der sich aus kriseninduzierten Veränderungen ergibt. Zusammenfassend konstatieren die Autoren eine Abkehr von den unabhängigen Ratingagenturen hin zu festgelegten Standards, die eine Bewertung erleichtern. Den Autoren gelingt es, auch komplexe Sachverhalte einfach darzustellen. Die Studie eignet sich vor allem für Politikwissenschaftler mit dem Fokus auf Institutionen.
Marko Jakob (MJ)
Dr., MBA.
Rubrizierung: 4.43
Empfohlene Zitierweise: Marko Jakob, Rezension zu: Stefanie Hiß / Sebastian Nagel: Ratingagenturen zwischen Krise und Regulierung Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34867-ratingagenturen-zwischen-krise-und-regulierung_41913, veröffentlicht am 29.03.2012.
Buch-Nr.: 41913
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Dr., MBA.
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