/ 22.06.2013
Bohdan Szklarski (Hrsg.)
Quo vadis America? Conceptualizing Change in American Democracy
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011 (New Americanists in Poland 2); 252 S.; EUR 49,80 €; ISBN 978-3-631-61467-9Der Sammelband präsentiert eine gegenwartsdiagnostische Bestandsaufnahme der US-amerikanischen Gesellschaft, ihrer „social and political institutions and practices“ (18), um daraus Projektionen abzuleiten, wohin sich diese in den nächsten zehn, zwanzig Jahren entwickeln werden. „In the area of international relations there is nothing riskier than trying to predict the future“ (23), fasst Daniel Smihula dann auch gleich zu Beginn seines Beitrages „The USA and the World in 2030“ (23 ff.) den Hauptvorwurf zusammen, der sich angesichts dieser Forschungsstrategie auftut. Die Sozialwissenschaften ganz allgemein haben schon immer ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Prognosefähigkeit gehabt und sollten also um den eher vagen Aussagegehalt von Sätzen wissen, die aus gegenwärtigen Trends zukünftiges Sein ableiten wollen. Was also – lässt man die ganze Reihe an Prognosen, wonach die USA sicherlich auch nach 2030 die stärkste Macht auf Erden bleiben, beiseite – bleibt? Es bleibt zweifelsohne der Aspekt der Bestandsaufnahme. So entwickelt etwa Andrzej Bryk eine spannende, vergleichende Perspektive auf die Demokratievorstellungen in den USA und der EU. Während die EU eine praktizierte Form postmoderner Staatsführung jenseits des Staates etabliert habe – also mit supranationalem Souveränitätstransfer und dem Anspruch des „rule of law“ im internationalen Kontext –, haben die USA, unter deren maßgeblicher Protektion nach dem Zweiten Weltkrieg eine solche Ordnung überhaupt erst hat etabliert werden können, mit einer solchen Vorstellung ironischerweise Schwierigkeiten. „In contrast, the United States still believes in military and economic power with the accomanying idea that people can find security only in sovereign states“ (200). An dieser Haltung werde sich, so Bryk weiter, auch nichts ändern. Europa, so die Annahme der USA, könne weiter sein postmodernes, supranationales Demokratieexperiment verfolgen – weil die USA als souveräner, hochgerüsteter Nationalstaat schon da sein werden, wenn etwa China oder Russland den internationalen Rechtsinstitutionen eines Tages doch nichts mehr abgewinnen könnten. Und hier zeigt sich dann auch die eine positive Komponente von Projektionen: Sie können Irrtümer sein.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.64 | 2.2 | 2.22 | 2.23 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Bohdan Szklarski (Hrsg.): Quo vadis America? Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35308-quo-vadis-america_42528, veröffentlicht am 23.08.2012.
Buch-Nr.: 42528
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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