/ 25.07.2013
Hans-Georg Heinrich (Hrsg.)
Post-Soviet Conflicts Revisited
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2012 (ICEUR Insight Studies 2); 253 S.; 41,95 €; ISBN 978-3-631-62638-2Der Zerfall der Sowjetunion hinterließ eine Reihe bis heute ungelöster territorialer und nationaler Konflikte. Der vom Wiener Politologen Hans‑Georg Heinrich edierte Band versammelt Beiträge von Wissenschaftler_innen und Politikberater_innen besonders aus den entsprechenden Geschehensregionen als „kritischen Bürgern ihrer Heimatländer“ (5). Die Konflikte werden in ihrer Entstehung resümiert und potenzielle Lösungsansätze vorgestellt. Dabei wird deutlich, dass viele der Auseinandersetzungen bis in die Anfänge der Sowjetunion (und darüber hinaus) zurückreichen. Auch vor 1991 waren sie wiederholt akut geworden – die Vorstellung, erst der Zusammenbruch der UdSSR habe sie hervortreten lassen, wird damit weitgehend als fehlerhaft herausgearbeitet; dies stellt die Zuschreibung „postsowjetisch“ infrage. Interessant sind vor allem die Beiträge, die Vertreter aus den verschiedenen an einem Konflikt beteiligten Staaten versammeln. Alexander Iskandaryan (im Inhaltsverzeichnis und im Beitrag fälschlich als „Iskaryan“ angekündigt), der Direktor des in Eriwan ansässigen Kaukasus‑Instituts, schildert den Anfang 1988 eskalierenden Konflikt um die Region Nagorny Karabach aus armenischer Perspektive. Leila Alieva, Leiterin des Zentrums für nationale und internationale Studien in Baku, steuert die aserbaidschanische Sicht bei. Aufgrund des starken russischen Einflusses und der geringen Beteiligung der EU an Friedensverhandlungen würden Reformprozesse in beiden Staaten erschwert. So sei zwar eine gewisse Stabilität erreicht worden, jedoch um den Preis einer politischen Stagnation. Herausgeber Heinrich stellt resümierend eine weitgehende Erfolglosigkeit der internationalen Gemeinschaft bei der Lösung der geschilderten Konflikte fest. Als Hindernisse werden etwa fehlender politischer Wille sowie die große kulturelle und ethnische Diversität des Kaukasusraumes benannt. Unüblich erscheint die Vorgehensweise, die Nachweise aller Beiträge als durchnummerierte Endnoten aufzuführen. Leider verfügt auch nur ein Aufsatz über eine Bibliografie mit weiterführender Literatur.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.61 | 2.25 | 4.41 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Hans-Georg Heinrich (Hrsg.): Post-Soviet Conflicts Revisited Frankfurt a. M. u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35984-post-soviet-conflicts-revisited_44028, veröffentlicht am 25.07.2013.
Buch-Nr.: 44028
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M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
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