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/ 21.06.2013
Michael Fleischhacker

Politikerbeschimpfung. Das Ende der 2. Republik

Salzburg: ecowin 2008; 171 S.; geb., 22,- €; ISBN 978-3-902404-63-3
In zum Teil sehr polemischem Stil rechnet der Chefredakteur der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ mit dem gegenwärtigen politischen System Österreichs ab. Immer mehr Bürger, hält Fleischhacker fest, seien der Meinung, dass Politik in Österreich anders gemacht werden müsste. Dass man den Titel seines Buches als Populismus deuten könnte, weist er von sich, denn es handele sich um einen „Populismus vom dem die professionellen und beamteten Vertreter des politikwissenschaftlichen Kleingewerbes [...] in ihrer angstbetonten Fixierung auf Jörg Haider immer noch glauben, er sei das Kernproblem“ (11). Dieses Kernproblem, so der Autor, liege jedoch vielmehr in der „Kombination aus großer Koalition, Sozialpartnerschaft, den die beiden Moloche speisenden Parteien, der präsidialen Amtsführung und medialer, vor allem öffentlich-rechtlicher Oberflächlichkeit“ (47). Anhand vieler Beispiele aus dem politischen Tagesgeschäft Österreichs belegt Fleischhacker seine Fundamentalkritik, in der er auch formuliert: „Die Abgeordneten verdanken sowohl ihr politisches Mandat als auch ihre materielle Existenz der Parteimafia, der sie dafür das entsprechende Schutzgeld abliefern“ (85). Diese Situation einer Klüngelwirtschaft führe in Österreich zu einem „parademokratischen Entscheidungsdschungel“ und der Verfasser stellt die Frage: „Warum sollten 183 Abgeordnete ein Wahlrecht beschließen, das nach menschlichem Ermessen 150 von ihnen das Mandat und die materielle Existenz kostet?“ (86) Für Fleischhacker ist Österreich ein Land, „in dem Eigentum als Delikt gilt und wirtschaftlicher Erfolg als Folge moralischer Insuffizienz“ (87) wahrgenommen wird. So fordert er abschließend die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft in den Kammern und die Einführung eines Mehrheitswahlrechts. Von den Medien über die Intellektuellen bis hin zu den politischen Institutionen legt Fleischhacker eine konzentrierte Auseinandersetzung mit der politischen Situation Österreichs vor, deren Wert leider an der Knappheit vieler Gedankengänge leidet.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.42.22 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Michael Fleischhacker: Politikerbeschimpfung. Salzburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29824-politikerbeschimpfung_35330, veröffentlicht am 16.12.2008. Buch-Nr.: 35330 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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