/ 21.06.2013
Raif Georges Khoury
Politik und Religion im Islam und die Probleme der Entwicklung der arabisch-islamischen Welt in der modernen Zeit. Der Beitrag der Reformen
Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2007 (Schriften der Margot-und-Friedrich-Becke-Stiftung zu Heidelberg 7); 109 S.; kart., 19,- €; ISBN 978-3-8253-5402-2Der kurze Band geht auf einen Vortrag zurück, den der Autor im Dezember 2005 in Heidelberg auf Einladung der Margot-und-Friedrich-Becke-Stiftung hielt. Der Vortragscharakter schimmert trotz Überarbeitung immer wieder durch die Zeilen. Wiederholungen und die Aneinanderreihung von Textteilen untermauern zudem den Eindruck, dass es sich um eine Zusammenfassung von älteren Veröffentlichungen des Autors handelt. Auch inhaltlich manifestiert sich dieser Stückwerkscharakter. Khoury wählt den löblichen Ansatz, dem islamwissenschaftlichen Laien möglichst knapp und dennoch präzise einen Überblick über die islamische Frühgeschichte zu vermitteln. Im Schwerpunkt beschäftigt sich Khoury mit der Blütezeit der islamischen Kultur im Mittelalter, dem Einfluss der islamischen Wissenschaften auf das mittelalterliche Europa und dem Niedergang der islamischen Blütezeit. Die Ursache für diesen Niedergang sieht er, analog zur gängigen Lehrmeinung, im Schließen des „Tor des idjtihad“ (65), dem Prinzip der individuellen Befleißigung zur Fruchtbarmachung und Weiterentwicklung durch eigenständiges Denken. Die Ablehnung dieses Prinzips durch die Traditionalisten führte einhergehend mit politischen Instabilitäten und dem Niedergang des klassischen Mäzenatentums seiner Ansicht nach zu einer Verknöcherung der islamischen Wissenschaft. Im zweiten Teil beschäftigt sich Khoury dann mit dem vom Titel postulierten eigentlichen Thema seiner Studie. Er betont, wie wichtig es für die islamische Welt sei, die „fundamentalen Grundsätze ihrer Vergangenheit“ nicht weiter zu ignorieren, sondern das Prinzip des idjtihad wieder in den Vordergrund zu stellen, um eine „gesunde Entwicklung“ (89) zu gewährleisten. So wichtig und zentral die historische Entwicklung des idjtihad-Prinzips für das Verständnis der gegenwärtigen Probleme der islamischen intellektuellen Situation ist, so zeigt die Tatsache, dass Khoury bei einer Gesamtlänge von knapp 100 Seiten fast 70 Seiten dafür aufwendet, eine historische Hinführung an das eigentliche Thema anzuführen, dass der Titel etwas unglücklich gewählt wurde.
Marius Sauter (MDS)
Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 2.23 | 2.63
Empfohlene Zitierweise: Marius Sauter, Rezension zu: Raif Georges Khoury: Politik und Religion im Islam und die Probleme der Entwicklung der arabisch-islamischen Welt in der modernen Zeit. Heidelberg: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29516-politik-und-religion-im-islam-und-die-probleme-der-entwicklung-der-arabisch-islamischen-welt-in-der-modernen-zeit_34942, veröffentlicht am 16.09.2008.
Buch-Nr.: 34942
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Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Tübingen.
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