/ 18.12.2014
Stefana Sabin / Helmut Ortner (Hrsg.)
Politik ohne Gott. Wie viel Religion verträgt Demokratie?
Springe: zu Klampen Verlag 2014; 166 S.; hardc., 24,- €; ISBN 978-3-86674-405-9Der Sammelband reiht sich ein in die zunehmende Anzahl an Veröffentlichungen, bei denen oftmals der Eindruck entsteht, dass es vor allem darum geht, die politische Meinungshoheit im Streit um das angemessene Verhältnis von Religion und Politik zu erlangen. Die Herausgeberin und der Herausgeber sind der Meinung, dass „gerade jene Stimmen stumm [bleiben], die den schwer erkämpften Säkularismus verteidigen sollten“ (11). Durchweg lassen sich die Artikel als ein Versuch lesen, diesen vermeintlich verstummten Stimmen ein Forum zu bieten. Entsprechend engagiert skizzieren und kritisieren die Autor_innen die bekannten Privilegien der Kirchen in Deutschland in den öffentlich‑rechtlichen Medien, in der Schule, innerhalb des Arbeitsrechts sowie den Einfluss der Kirche auf die universitäre Theologie; oder sie verteidigen die liberalen Errungenschaften wie etwa die Meinungsfreiheit, weshalb auch die Religionen Spott ertragen müssten. Folgt man diesen Haltungen, lässt sich unter dem Strich mit Detlev Claussen von einer „missglückten Säkularisierung“ (19) sprechen, die ihm zufolge nur mit einer kritischen Gesellschaftstheorie zu klären sei. Evelyn Finger legt offen, wie Religion in politischen Konflikten instrumentalisiert wird. Dabei lasse sich eine „Dialektik der Säkularisierung“ beobachten, deren Desillusionseffekte ein Vakuum eröffnet hätten, in dem religiöse Demagogen die „Erniedrigten und Beleidigten“ (24) für sich gewinnen könnten. Die Beiträge, in denen die religionspolitische Lage in den USA, in Mittel‑ und Südosteuropa sowie in Israel beschrieben wird, sind größtenteils interessanter als die, in denen es um die Situation in Deutschland geht. Moshe Zuckermann sieht zum Beispiel ein Zentralproblem Israels darin, „wie die Vorstellung von Israel als einem Staat der Juden [...] sich mit der Vorstellung von Israel als einem demokratischen Staat" (133) vereinbaren lässt. Insgesamt bietet der Sammelband wenig Neues, zentrale Begriffe werden nicht beleuchtet und zwischen Kirche und Religion wird nicht ausreichend differenziert – er richtet sich weniger an ein Fach‑ denn an ein breites Publikum.
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Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.61 | 2.63 | 2.64 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Stefana Sabin / Helmut Ortner (Hrsg.): Politik ohne Gott. Springe: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37919-politik-ohne-gott_46287, veröffentlicht am 18.12.2014. Buch-Nr.: 46287 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenCC-BY-NC-SA