/ 17.06.2013
Noam Chomsky
People Without Rights. Kosovo, Ost-Timor und der Westen. Aus dem Amerikanischen von Michael Haupt
Hamburg: Europa Verlag 2002; 160 S.; brosch., 12,90 €; ISBN 3-203-76012-6Es gibt wohl kaum einen Bereich der jüngeren Außenpolitik, der so fragwürdig und voller Fallstricke ist wie die Politik der humanitären Intervention. Warum intervenierten die USA und die NATO im Kosovo, ließen aber mindestens ebenso schlimme Massaker in Afrika oder in Ost-Timor geschehen, ohne einen Finger zu krümmen? Chomsky, der sich immer wieder als leidenschaftlicher und scharfzüngiger Kritiker der US-Außenpolitik zu Wort meldet, kritisiert in diesem Buch die "absichtsvolle Ignoranz" (so der Titel seines ersten Kapitels), mit der die USA reagieren, wenn irgendwo auf der Welt Konflikte auftreten. Chomsky lehnt es keineswegs ab, dass der Westen in solchen Fällen militärisch eingreift. Es müssen aber die richtigen Motive sein und vor allem darf sich das Eingreifen nicht in militärischen Aktionen erschöpfen. Für ihn sind in vielen Fällen diese Bedingungen nicht gegeben. Chomsky befasst sich in diesem Buch vor allem mit dem Krieg in Ost-Timor und dem Eingreifen der NATO im Kosovo. In beiden Fällen kommen die USA in seinen Augen alles andere als gut weg. Ihre Politik scheint ihm reine Interessenpolitik zu sein, ohne einen Blick für die tatsächlichen Leiden der Menschen: "Die USA handeln nach ihrem eigenen Interesse gemäß; andere tragen die Lasten und die Kosten, sofern keine weitergehenden Machtinteressen im Spiel sind." (32) Das Buch ist keine bloße Philippika. Chomsky arbeitet mit Nachweisen und kohärenter Argumentation. Auch wer anderer Meinung ist, wird viel Anregendes darin finden.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.41 | 4.22 | 2.62 | 4.3
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Noam Chomsky: People Without Rights. Hamburg: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16980-people-without-rights_19501, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19501
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M. A., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA