/ 11.06.2013
Ursula Lehmkuhl
Pax Anglo-Americana. Machtstrukturelle Grundlagen anglo-amerikanischer Asien- und Fernostpolitik in den 1950er Jahren
München: R. Oldenbourg Verlag 1999 (Studien zur Internationalen Geschichte 7); 304 S.; 148,- DM; ISBN 3-486-56430-7Habilitationsschrift Bochum; Gutachter: G. Schmidt. - In den Mittelpunkt stellt Lehmkuhl notwendigerweise die "special relationship": Wie wirkten sich die besonderen Beziehungen auf politischer, informeller und nicht zuletzt kultureller Ebene auf die Asienpolitik aus? Und wie lassen sich die Beziehungen zwischen London und Washington vor dem Hintergrund der Tatsache beschreiben, dass Großbritannien seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr zu den "Superpowers" gehörte? Aus dem wirtschaftlichen und militärischen Machtverlust resultierte für Großbritannien - so Lehmkuhl - keineswegs zwangsläufig ein Machtverlust in der internationalen Politik. "Im Hinblick auf die britischen Möglichkeiten, auf die Gestaltung der Rahmenbedingungen internationaler Politik nach dem Zweiten Weltkrieg Einfluss zu nehmen, fiel der britische Machtverlust weitaus weniger ins Gewicht als dies bisher von der Forschung angenommen wurde." (15) Vor allem hinsichtlich der auch nach dem Krieg immer noch bestehenden und funktionierenden globalen Verbindungen, der "zahlreichen informellen Kontakte und Einflusskanäle war Großbritannien 'vor Ort' stärker präsent als die USA" (16). Oder anders: Großbritannien entwickelte sich dadurch im Verhältnis zu den USA zu einer Art "Sprecher für Asien und Vermittler Asien-politischer Ziele" (16). Die besonderen Beziehungen waren nicht immer reibungslos, aber es zeigt sich, dass letztendlich die USA keineswegs nur eine uneingeschränkte Führungsrolle beanspruchten, sondern gleichfalls bereit waren, Verantwortung auf der internationalen Bühne zu teilen und dies nicht nur zum Nachteil des Partners. Das Verhältnis der beiden Staaten erfuhr durch die Suez-Krise allerdings einen tiefen Einschnitt: War der britische Beitrag in der internationalen Politik 1950 für die Amerikaner noch unabdingbar, so wandelte sich London nach 1956 zu einem allenfalls nützlichen Partner.
Inhaltsübersicht: 1. Die Bedeutung von Ideen, Normen und Werten für die Analyse der angloamerikanischen Sonderbeziehungen; 2. Determinanten der "special relationship"; 3. Angloamerikanische Kooperation in der auswärtigen Informations- und Kulturpolitik; 4. Angloamerikanische Handlungskoordination in der Außenwirtschafts- und Währungspolitik; Schlussbetrachtung: Machtstrukturelle Grundlagen angloamerikanischer Asien- und Fernostpolitik in den 1950er Jahren.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.22 | 2.61 | 2.63 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Ursula Lehmkuhl: Pax Anglo-Americana. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10653-pax-anglo-americana_12597, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12597
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Dr., Historiker.
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