/ 22.06.2013
Willi Baer / Karl-Heinz Dellwo (Hrsg.)
Panteón Militar. Kreuzzug gegen die Subversion: Argentinien 1976-1983
Hamburg: LAIKA Verlag 2010 (Bibliothek des Widerstands 9); 144 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-942281-78-2Der Laika Verlag widmet gleich zwei Bände seiner Reihe „Bibliothek des Widerstands“ der Militärdiktatur in Argentinien. Beiden Büchern gemein sind die Kritik an der deutschen Haltung gegenüber den argentinischen Militärs und die Erinnerung an die vielen Opfer der Junta. Auch wenn die thematischen Schwerpunkte nicht scharf voneinander abgegrenzt werden können, beleuchtet der Band „Dass du zwei Tage schweigst unter der Folter!“ (siehe Buch-Nr. 42009) vorwiegend den Umgang mit den deutschen Opfern des argentinischen Terrors und erinnert an sie, wohingegen sich dieses Buch vor allem mit den wirtschaftlichen und politischen Verstrickungen zwischen Argentinien und Deutschland (sowie weiterer Staaten) beschäftigt. Der längste Artikel des Bandes „Militär – Geheimdienste – Terror“ rekonstruiert, unter welchen Bedingungen die argentinische Militärdiktatur an die Macht kam und welcher politischen, wirtschaftlichen und geheimdienstlichen Netzwerke sie sich bedienen konnte. Hierfür setzt Eichner Ende der 1940er-Jahre an und benennt zunächst zahlreiche nach Argentinien geflohene Nationalsozialisten und die an der Ausschleusung beteiligten Personen und Institutionen. Im Fortgang bringt der Autor die in Argentinien lebenden Deutschen in Verbindung mit den wirtschaftlichen Interessen des Exillandes sowie israelischen Ambitionen: „Israel suchte Kooperationspartner für seine nukleare Rüstung. Es entspann sich eine Dreiecksbeziehung faschistischer deutscher Atomwissenschaftler in Argentinien unter den Augen der argentinischen Atomkommission mit finanzieller und technischer Hilfe durch die Adenauer-Regierung (damaliger Atomminister Franz-Josef Strauß) weit vor der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der BRD und Israel. […] Diese Dreiecksbeziehung betraf den Austausch des technischen Know-hows wie auch die gedeckte Lieferung von Schwerem Wasser und Natururan“ (39). Auch den weiteren Verlauf und die repressiven, terroristischen Maßnahmen des Militärregimes – hier vor allem die Operation Condor – stellt Eichner in seinem Artikel vor und beschließt seine Ausführungen nicht mit dem Ende des Diktatur 1983, sondern greift weiter aus und thematisiert die (seiner Ansicht nach unzureichende) Aufarbeitung und Auseinandersetzung in einzelnen, Argentinien unterstützenden Staaten (u. a. die USA und Deutschland). Wenngleich das Hauptaugenmerk des Buches auf politischen und wirtschaftlichen Interessen liegt, ist der Auftakt ein autobiografisch-literarischer: Der argentinische Autor und Menschenrechtsaktivist Osvaldo Bayer, der während der Militärdiktatur im deutschen Exil lebte, schildert seine Eindrücke vom deutschen Umgang mit dem argentinischen Putsch sowie seine persönlichen Gedanken zur Verarbeitung des Geschehenen.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.65 | 2.25 | 4.21
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Willi Baer / Karl-Heinz Dellwo (Hrsg.): Panteón Militar. Hamburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34935-panten-militar_42010, veröffentlicht am 28.06.2012.
Buch-Nr.: 42010
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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