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/ 22.06.2013
Saree Makdisi

Palästina – Innenansichten einer Belagerung. Aus dem Englischen von Sigrid Langhäuser

Hamburg: LAIKA Verlag 2011 (Edition Provo 4); 405 S.; 21,- €; ISBN 978-3-942281-90-4
Makdisis Buch ist keine Dokumentation des palästinensischen Widerstands gegen die israelische Besatzung, sondern eine Reportage über die bisweilen absurd anmutenden bürokratischen Schikanen, die den Lebensalltag der Palästinenser in Israel, im Westjordanland und im Gazastreifen prägen. Die selektiven Schilderungen des an der University of California Los Angeles lehrenden Professors für englische Literatur provozieren nicht nur Empörung und Mitgefühl. Sie zeigen, dass das bedeutendste Herrschaftsinstrument Israels nicht in seiner militärischen Überlegenheit besteht, sondern vielmehr auf einem mikro-politischen Management, „einem System von Genehmigungen und Pässen“ (333), beruht, mit dem der Widerstand der palästinensischen Bevölkerung gebrochen werden soll. Die einzig nachhaltige Lösung des Konflikts erkennt Makdisi in einer Einstaatenlösung. Dieses Projekt setze jedoch voraus, dass Israel sich nicht länger als Staat des jüdischen Volkes beschreibt, sondern ein Staat gegründet wird, der seine Einwohner unabhängig von ihrer Ethnizität und Religionszugehörigkeit als gleichwertige Staatsbürger anerkennt und die fundamentalen Rechte der Palästinenser und der israelischen Juden gleichermaßen schützt. Angesichts der bestehenden, ethnisch aufgeladenen Konflikte um Wasser und Land, in denen die Wünsche und Forderungen der einen Seite nur auf Kosten der Forderungen und Wünsche der anderen Seite verwirklicht werden können, mutet diese Perspektive utopisch an. Makdisis rigide Unterscheidung von fundamentalen Rechten einerseits und partikularen Wünschen und Forderungen andererseits hilft auch nur begrenzt weiter, da es sich bei dieser Trennung selbst um eine kontingente Entscheidung handelt, die von den Konfliktparteien derzeit voraussichtlich nicht anerkannt werden würde. Trotzdem muss man Makdisi zustimmen, wenn er festhält, dass das Ausmaß der gegenwärtigen apartheidpolitischen Maßnahmen auch durch die nach wie vor virulente Bedrohung der Sicherheit Israels ethisch nicht zu rechtfertigen ist und dass der Befreiungskampf der Palästinenser darauf zielen muss, grundlegende Gleichheitsrechte auf die gesamte Bevölkerung auszudehnen.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.634.412.252.23 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Saree Makdisi: Palästina – Innenansichten einer Belagerung. Hamburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34398-palaestina--innenansichten-einer-belagerung_41308, veröffentlicht am 12.01.2012. Buch-Nr.: 41308 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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