/ 08.01.2015
Paula Ditzel Facci
On Human Potential. Peace and Conflict Transformation Fostered Through Dance
Wien/Münster: Lit 2011 (Masters of Peace 3); 129 S.; EUR 19,90 €; ISBN 978-3-643-50261-2Frieden durch Tanz – eine Idee, die aufhorchen lässt: Paula Ditzel Facci will den Tanz als kreatives Ausdrucksmittel und Kunstform in den Dienst des Friedens stellen. Befähigt wird sie hierzu nach eigener Aussage durch ihre Erfahrungen als Tänzerin und Tanzlehrerin. Ihr geht es nun darum, intellektuelle Forschung mit eigenen praktischen Beobachtungen zu kombinieren. Die von ihr herangezogene Methodik beschreibt sie als Reflektion ihrer Erfahrungen, die auf „dem Prinzip beruht, dass diese Erfahrungen direkte Verifikationen der Theorie sind, und […] [ihre] Sichtweise in Bezug auf das Thema unterstützen“ (14). Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass die Autorin es nicht mit dem konventionellen Verständnis wissenschaftlichen Arbeitens hält. Indem sie im ersten Kapitel selbstreflexiv ihre Gedanken darüber zu Papier bringt, was es heißt, Tänzerin, Frau, Brasilianerin, Studentin der Internationalen Beziehungen sowie Friedensstudentin und ‑forscherin zu sein, legt Ditzel Facci die Motivation ihrer Arbeit dar, die mehr nach Selbstfindung als wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse klingt: „Ich suche ein wenig mehr für mich selbst, innerhalb und außerhalb der Grenzen meines eigenen Körpers. Ich möchte auch herausfinden, verbinden und interagieren. Ich möchte erschaffen.“ (22) Frieden ist für die Autorin ein holistisches Konzept und „kann nicht gebracht, gelehrt oder erlernt werden. Er erhebt sich aus dem Inneren“ (35) des Menschen. Der Tanz als Mittel zur Friedensförderung und Konflikttransformation funktioniert ihr zufolge auf zwei Ebenen: der individuellen und der gesellschaftlichen. Dabei gilt es, Körper und Geist durch Tanz „wieder zu verbinden“ (41) und Tanz als Ausdruck der Kreativität zu sehen, die „das Pulver der Möglichkeiten zur Transformation“ (58) darstellt. Eine Transformation in Richtung Frieden könne nicht von oben, sondern von unten, durch zwischenmenschliche Interaktion bewerkstelligt werden. Eine Form dieser Interaktion ist der Tanz, dem die Autorin bescheinigt, die „Körper, Köpfe und Beziehungen“ (64) der Menschen zu verbinden. Essenziell sei dabei die Idee der Verantwortung für andere, die in gewaltreichen Umfeldern fehle und im Tanz erlangt werden könne. Der Kern des Anliegens der Autorin und ihr wissenschaftlicher Weg dorthin werden angesichts hochtrabender Formulierungen und wortreicher Selbstreflektionen, die stellenweise in das Lyrische abzugleitenden drohen, nicht immer klar. Der Ausgangspunkt, dass Frieden auf der Grundlage von zuvor fehlenden zwischenmenschlichen Interaktionen entstehen kann, leuchtet ein. Dass gerade im Tanz ein unentdecktes Potenzial hierfür liegt, vermag die Autorin allerdings nicht überzeugend darzulegen, wenn sie die Umwelt dieser Interaktion weitestgehend unerwähnt lässt.
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Rubrizierung: 4.41 | 5.44
Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Paula Ditzel Facci: On Human Potential. Wien/Münster: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37928-on-human-potential_42669, veröffentlicht am 08.01.2015.
Buch-Nr.: 42669
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