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/ 20.06.2013
Gerhard Kranz

Ohne die Türkei. Argumente gegen einen EU-Beitritt

Frankfurt a. M.: Haag + Herchen Verlag 2004; 112 S.; 12,- €; ISBN 3-89846-316-8
Der Autor will die „Bürger Europas und die der Türkei“ vor Schwierigkeiten „größten Ausmaßes“ (7) bewahren. Dem Titel wird die Publikation jedoch nur ansatzweise gerecht. Die Ausführungen gleichen in weiten Teilen einem Schlagabtausch mit der Politik der Regierung Schröder. So wird dargelegt, dass der Wahlsieg der Bundesregierung auf die türkeifreundliche Politik der Regierungskoalition zurückzuführen sei: „Mit einer - schier unfaßbar – nur etwa 9000 Stimmen starken Mehrheit, die ausnahmslos von wahlberechtigten Türken stammte, wurde die SPD als stärkste Partei gewählt.“ (29) Insgesamt werden viele Argumente aneinander gereiht, die fast durchweg alles Negative in der Türkei unzureichend hinterfragt darstellen. Zwei wesentliche Gründe, die nach Meinung von Kranz gegen einen EU-Beitritt sprechen, werden besonders in den Vordergrund der Argumentation gerückt, neben der demographischen Entwicklung vor allem der Islam: „Hinter dem sonderbaren Verhalten der Islamisten und Fundamentalisten in vielen Ländern [...] verbirgt sich [...] die Strategie, [...] eine Stärkung und Verbreitung des Islam zu erreichen und langfristig die Vormachtstellung auf der Welt anzustreben, wozu ihnen jedes Mittel recht ist.“ Demokratische Gesellschaften ließen sich von Muslimen einwickeln und „für dumm verkaufen“. Denn die wahre Situation in der Türkei werde von der dortigen Regierung verschleiert, „um die Europäer nicht zu verunsichern“ (51). Am Ende prognostiziert Kranz die Entwicklung des Christentums und des Islams für das Jahr 2054, wobei er explizit eine innerdeutsche Entwicklung schildert. Danach werde es an Moscheen und Gebetsräumen in Deutschland nicht mehr fehlen: „Für den Fall, dass die Übertragung des Gebets nach außerhalb der Moschee verboten bleiben sollte, werden irgendwann christliche Kirchen in Deutschland ihre Glocken nicht mehr läuten dürfen.“ (108)
Merle Vetterlein (MEV)
Dipl.-Politologin, Doktorandin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg (IFSH).
Rubrizierung: 2.633.12.23 Empfohlene Zitierweise: Merle Vetterlein, Rezension zu: Gerhard Kranz: Ohne die Türkei. Frankfurt a. M.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23424-ohne-die-tuerkei_26877, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 26877 Rezension drucken
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