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/ 05.11.2015
Klaus Süß

Nichtverbreitung von Nuklearwaffen. Eine Untersuchung der Governance-Strukturen im Problemfeld der nuklearen Nichtverbreitung

Online-Publikation 2014 (http://deposit.fernuni-hagen.de/3007/1/Diss_Suess_Nichtverbreitung.pdf); 321 S.
Diss. Hagen; Begutachtung: G. Simonis. – Die gestiegene Zahl an Nuklearwaffenstaaten und die aufgedeckten Bemühungen nuklearer Rüstung in den vergangenen Jahrzehnten sind wiederholt als Erosion der Kernfesten des nuklearen Nichtverbreitungsregimes begriffen worden. Klaus Süß fragt vor diesem Hintergrund nach den zentralen Faktoren für die Effektivität der Governance‑Strukturen zur nuklearen Nichtverbreitung. Mit dieser Arbeit möchte er drei Forschungslücken schließen, die sich aus dem Fokus regimetheoretischer Untersuchungen auf strukturelle Faktoren, dem Fehlen von vergleichenden Untersuchungen sowie einem Bedarf an Empfehlungen, die sich für die Sicherheitspolitik generalisieren lassen, seiner Ansicht nach ergeben. Süß geht es daher neben einem theoretischen Beitrag zur Nutzbarmachung von Governance‑Ansätzen für diesen Politikbereich um eine empirische Überprüfung der „Leistungsfähigkeit des NV‑Governancesystems“ (14), aus der konkrete Verbesserungsvorschläge abgeleitet werden können. Als Fallbeispiele für seine vergleichende Untersuchung dienen ihm die Nachbarstaaten Iran und Irak. Die von ihm überprüften Hypothesen und die dahinterstehenden Variablen sind so umfangreich wie vielfältig. Sie umfassen neben dem Potenzial der NV‑Governance‑Struktur, Proliferationsverhalten zu überwachen, unter anderem den regionalen politischen Kontext, das Sanktionsverhalten des UN‑Sicherheitsrats sowie das Potenzial der USA, durch Drohungen militärischer Gewaltanwendung die Effektivität der Governance‑Struktur zu garantieren. Süß geht davon aus, dass das Vorhandensein dieser Faktoren sich insgesamt positiv auf die Effektivität des NV‑Governance‑Systems auswirkt – mit einer Einschränkung: unilaterale Handlungen der USA hätten hierauf einen negativen Effekt. Der empirische Teil seiner Untersuchung zeichnet im Ergebnis ein heterogenes Bild: Zwar habe sich das Governance‑System zur Nichtverbreitung sowohl im Irak und als auch im Iran als effektiv gezeigt (für letzten Fall allerdings mit negativem Ausblick). Es hätten sich jedoch entscheidende Schwachstellen offenbart, die durch „Lerneffekte im negativen Sinne“ ausgenutzt worden seien. Wichtigstes Ergebnis seiner Untersuchung ist nach Süß die Wandelbarkeit des NV‑Systems, das sich allerdings derzeit blockiert zeige, weil „bis auf inkrementelle Änderungen [...] Optimierungsvorschläge der IAEA seitens der Staatengemeinschaft, insb[esondere] der zentralen Akteure, ignoriert“ (283) würden. Für die Zukunft brauche es daher eine Optimierung, so das Fazit, die bestehende Atommächte zur Abrüstung bewege und eine Neubewertung des Dual‑Use‑Charakters von Nukleartechnologie beinhalte.
{CPA}
Rubrizierung: 4.41 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Klaus Süß: Nichtverbreitung von Nuklearwaffen. 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/39051-nichtverbreitung-von-nuklearwaffen_47331, veröffentlicht am 05.11.2015. Buch-Nr.: 47331 Rezension drucken
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