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/ 28.05.2014
Gabriele Eissenberger

Nicht nur ein Stück Geschichte Chiles. Solidaritäts-Arbeit der Hans-Böckler-Stiftung und ihrer Stipendiaten für die chilenische Gewerkschafts- und Menschenrechtsbewegung 1973-1992

Münster: Westfälisches Dampfboot 2013 (Schriftenreihe der Hans Böckler Stiftung); 245 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-89691-962-5
Der Schock, den der Staatsstreich und der Tod Salvador Allendes am 11. September 1973 auslösten, reichte weit in die globale Linke hinein. Schockierend war dabei nicht zuletzt auch die mittlerweile belegte Einflussnahme der US‑Regierung, die durch die CIA den Putsch hatte orchestrieren lassen. Da eine politische Reaktion des Westens – etwa durch die Bundesregierung – weitestgehend ausblieb, musste die Unterstützung für die Betroffenen in Chile außerparlamentarisch beziehungsweise zivilgesellschaftlich organisiert werden: So „gründeten kurz nach dem Staatsstreich Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten, Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung Mitbestimmung und Vertreter des DGB den Chile‑Solidaritätsfonds“ (9). Dessen Ziel war und ist es, Projekte in Chile, die der Gewerkschafts‑ und Menschenrechtsarbeit dienen, zu unterstützen. Deutlich wird in dieser Rückschau – etwa am Beispiel eines Projekts für Forstarbeiter in Süden des Landes –, vor welch immensen Problemen diese Hilfe stand. Nicht nur Visaerteilungen oder Sprachbarrieren, sondern auch die Traumatisierung vieler Betroffener sind hier zu nennen. In ihrem Band zeichnet Gabriele Eissenberger – unter Rückgriff auf vielfältige Materialien und im Anhang enthaltene historische Dokumente – die Geschichte und Motive der Arbeit des Fonds ebenso nach wie seine konkreten Aktionen und zahlreiche Beispiele seines langen Wirkens. Ein besonders markantes Ergebnis der „Chile‑Solidarität“, in der sich insbesondere viele junge Menschen politisch engagiert haben und immer noch engagieren, besteht ohne Zweifel darin, dass die chilenische und die bundesrepublikanische Geschichte in dem Versuch, die Welt lebenswerter und vor allem demokratischer zu gestalten, einander doch um einiges nähergekommen sind. Eissenbergers Studie ist somit nicht nur eine lesenswerte historische Aufarbeitung, sondern auch ein Paradebeispiel für gelungenes zivilgesellschaftliches Engagement und eine gestaltende demokratische Praxis.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.652.252.222.3314.44 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Gabriele Eissenberger: Nicht nur ein Stück Geschichte Chiles. Münster: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37132-nicht-nur-ein-stueck-geschichte-chiles_45339, veröffentlicht am 28.05.2014. Buch-Nr.: 45339 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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