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/ 22.06.2013
Gisela Burckhardt (Hrsg.)

Mythos CSR. Unternehmensverantwortung und Regulierungslücken

Bonn: Horlemann 2011; 249 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-89502-325-5
Dieser Band bietet eine kritische Bestandsaufnahme zu der in Mode gekommenen Corporate Social Responsibility (CSR). Was steckt hinter diesem Begriff? Welche Wirkungen haben freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen, für bessere Arbeits- und Umweltbedingungen in der gesamten Produktions- und Lieferkette ihrer Waren zu sorgen, bisher entfalten können? Der Titel des Buches deutet ein wichtiges Fazit bereits an: Zwar gebe es einige Unternehmen, die sich ernsthaft um bessere Arbeits- und Umweltbedingungen ihrer Produzenten einsetzen, doch konnten diese Maßnahmen nicht wesentlich zur Lösung der strukturellen Probleme in den Produktionsländern beitragen, schreibt die Herausgeberin, die u. a. die Frauenrechtsorganisation FEMNET e. V. vertritt und in der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) aktiv ist. Sie hat eine Vielzahl von Kurzbeiträgen zusammengestellt, in denen aufgezeigt wird, was bisher im Bereich freiwilliger sozialer Unternehmensverantwortung erreicht wurde und wo weiterer Handlungsbedarf besteht. Die Beiträge sind grob entlang der drei UN-Leitprinzipien staatliche Schutzpflicht, unternehmerische Eigenverantwortung sowie Zugang zu Rechtsmitteln und Wiedergutmachung gegliedert. Auf allen drei Ebenen zeigen sich enorme Defizite, die am Beispiel der Bekleidungsindustrie in China, Bangladesch und Indien sowie der Spielzeug- und Elektronikindustrie veranschaulicht werden. So zeigt sich beispielsweise, dass viele Produktionsländer zwar ihre Arbeitsgesetzgebung reformiert haben, es aber an der Umsetzung krankt. „Mangelnde Kontrollen, schwach ausgebildete Rechtsstaatsstrukturen, unterbesetzte und unterfinanzierte Gerichte, Korruption und Vetternwirtschaft sind weit verbreitet“ (88) und mitverantwortlich für unmenschliche Arbeitsbedingungen, Hungerlöhne und die Fortsetzung der Diskriminierung von Frauen, die bekanntlich die Mehrzahl der Beschäftigten in den Produktionsstätten bilden. Hinzu kommt, dass Auftraggeber in der EU nicht zur Verantwortung gezogen werden können, wenn Zulieferer Arbeitsrechte im Produktionsland verletzten. Auch mangelt es an Kohärenz zwischen Menschenrechtsschutz und Außenwirtschaftsförderung. Der Band schließt mit einem Forderungskatalog an die Politik. Insgesamt bietet er einen gelungenen Aufriss der vielschichtigen Probleme bei der Durchsetzung von Rechts- und Sozialstandards in der Weltwirtschaft.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.434.422.682.212.262 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Gisela Burckhardt (Hrsg.): Mythos CSR. Bonn: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34892-mythos-csr_41944, veröffentlicht am 10.05.2012. Buch-Nr.: 41944 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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