/ 20.06.2013
Dieter Senghaas
Moderne und Antimoderne angesichts kultureller Globalisierung. Plädoyer für einen zeitgemäßen, jedoch geschichtsbewussten Dialog. Zur Eröffnung des Masterstudiengangs "Friedensforschung und Internationale Politik"
Tübingen: Institut für Politikwissenschaft Universität Tübingen 2004 (Tübinger Arbeitspapiere zur Internationalen Politik und Friedensforschung 45); 23 S.; 1,- €; ISBN 3-927604-42-9Das Arbeitspapier entstand anlässlich der feierlichen Eröffnung des Tübinger Masterstudiengangs „Friedensforschung und Internationale Politik“ im Oktober 2004. In seiner Festrede zum interkulturellen Dialog verweist Senghaas auf die Strukturanalogien zwischen wirtschaftlicher und kultureller Globalisierung. Beide Prozesse kennzeichnen die gegenwärtigen internationalen Beziehungen und sind, so der Redner, von einem deutlichen Macht- und Wohlstandsgefälle zwischen Zentrum und Peripherie geprägt. Diese Asymmetrien erschwerten auch einen gleichberechtigten Dialog der Kulturen, wie er heute vielfach beschworen wird. Gerade die tonangebenden Europäer sähen sich gerne als überlegene Vertreter der „Moderne“. In einer realistischeren und selbstkritischeren Perspektive, so das Argument, müssten Vertreter des Westens jedoch die Konflikte und Brüche in ihrer eigenen Kulturgeschichte anerkennen. Als Beispiele nennt Senghaas etwa, dass Toleranz im alten Europa als antichristlich verworfen wurde und dass die Gleichheit aller Menschen eine relativ junge Idee ist, die lange angefeindet wurde. Erst die Einsicht in die europäische Konfliktgeschichte ermöglicht laut Senghaas einen offenen und fairen globalen Dialog über kulturelle Werte. Darüber hinaus plädiert der Redner dafür, die derzeitigen inneren Konflikte nicht-westlicher Gesellschaften mittels eines historischen Vergleichs mit europäischen Erfahrungen zu erschließen. Damit tritt er zwar dem Dünkel entgegen, Europa sei wesensmäßig liberaler oder moderner als andere Gesellschaften. Zugleich steckt in dem Text die nicht weniger brisante Botschaft, auf dem Weg zur Moderne sei Europa anderen Kulturen geschichtlich einige Schritte voraus.
Aus dem Inhalt:
Andreas Hasenclever:
Der neue Masterstudiengang „Friedensforschung und internationale Politik“ in Tübingen – ein Vorwort (1-2)
Dieter Senghaas:
Moderne und Antimoderne angesichts kultureller Globalisierung. Plädoyer für einen zeitgemäßen, jedoch geschichtsbewussten Diskurs (2-16)
Volker Rittberger:
Begrüßung zur Eröffnung des Masterstudiengangs „Friedensforschung und Internationale Politik“ (17-20)
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 4.43 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Dieter Senghaas: Moderne und Antimoderne angesichts kultureller Globalisierung. Tübingen: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23925-moderne-und-antimoderne-angesichts-kultureller-globalisierung_27505, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27505
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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