/ 21.06.2013
Karin Lukas / Franz-Josef Hutter
Menschenrechte und Wirtschaft
Wien/Graz: Neuer Wissenschaftlicher Verlag 2009 (Studienreihe des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte 17); 229 S.; pb., 34,80 €; ISBN 978-3-7083-0585-1Nicht erst seit dem Zusammenbruch großer Investmentbanken, dem damit einhergehenden Verlust privater Spareinlagen und der dadurch bedingten Insolvenz vieler Unternehmen bemühen sich die Vereinten Nationen, international verbindliche Normen über die menschenrechtliche Verantwortung transnationaler Konzerne und Unternehmen zu erarbeiten. Dabei handelt es sich um ethisch-moralische Grundsätze, sogenannte Soft-Law-Mechanismen, zu deren Einhaltung sich die Unternehmen freiwillig verpflichten. So hat der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan mit der Initiative des UN Global Compact bereits 1999 ein Netzwerk von Regierungen, Unternehmen, Interessenverbänden geschaffen, das sich auf freiwilliger Basis zur Einhaltung bestimmter Prinzipien, unter ihnen der Schutz der Menschenrechte, verpflichtet. Die Autoren kritisieren in diesem Zusammenhang jedoch das Fehlen maßgeblicher Standards und fragen, inwieweit grenzüberschreitend tätige Unternehmen eine den Menschenrechten verpflichtete Corporate Social Responsibilty (CSR) entwickeln sollten. Sie untersuchen die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Globalisierung und analysieren die Machtposition zentraler Akteure. Dabei erkennen sie einen Machtgewinn der Unternehmen zulasten der Nationalstaaten. Auf diesen Befund aufbauend, fragen sie nach den rechtlichen Rahmenbedingungen, die der Staat oder die Staatengemeinschaft festlegen sollten, um eine menschenrechtliche Verantwortung von Unternehmen sicherzustellen. Darüber hinaus werden die Möglichkeiten zur Implementierung einer menschenrechtsrelevanten Corporate Social Responsibility auf internationaler Ebene ausgelotet. Ein Blick in die CSR-Praxis einiger Unternehmen rundet das Bild ab. Abschließend bilanzieren die Autoren, denen es gelingt, eine relevante Grundlage zur Behandlung eines der vorrangigsten politischen Probleme unserer Zeit zu legen, eine geteilte Verantwortung von Staaten und Unternehmen im Bereich der Menschenrechte.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.42 | 4.43 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Karin Lukas / Franz-Josef Hutter: Menschenrechte und Wirtschaft Wien/Graz: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31176-menschenrechte-und-wirtschaft_37074, veröffentlicht am 13.10.2009.
Buch-Nr.: 37074
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Politikwissenschaftlerin.
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