/ 22.06.2013
Berthold Lange (Hrsg.)
Menschenrechte und ihre Grundlagen im 21. Jahrhundert – Auf dem Wege zu Kants Weltbürgerrecht
Würzburg: Ergon Verlag 2010 (Spektrum Politikwissenschaft 42); 215 S.; brosch., 22,- €; ISBN 978-3-89913-704-0Die Publikation versammelt verschiedene Beiträge aus dem Zusammenhang der Verleihung des Kant-Weltbürger-Preises im Mai 2009. Berthold Lange verweist in seinem Vorwort auf die gemeinsame Grundthese des Bandes, nach der sich in Zeiten der Globalisierung Herrschaft längerfristig nicht legitimieren könne, wenn sie nicht die interkulturelle Gültigkeit der Menschenrechte anerkenne. Albin Eser untersucht Herausforderungen und Hürden internationaler Strafgerichtsbarkeit. Für das Individuum als Subjekt, stellt der Autor einführend fest, habe es im Völkerrecht traditionell keinen Platz gegeben. Die Weiterentwicklung des Völkerrechts finde jedoch seinen deutlichen Ausdruck in der Errichtung einer internationalen Strafgerichtsbarkeit. Zur Zielerreichung eines Weltbürgerrechts nach Kant bleibe allerdings noch viel zu tun, insbesondere die Prozessstruktur internationalstrafrechtlicher Verfahren müsse geändert werden, so der Autor. Aufgrund seiner Erfahrungen als Richter am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag gelangt er zu der Einschätzung, dass eine adversarische Verfahrensstruktur, wie sie aus dem angloamerikanischen common law übernommen wurde, kontraproduktiv sei. Die Durchführung der Verhandlung liege vornehmlich in den Händen der Parteien; der Mitwirkung des Richters und der Opfer seien zu enge Grenzen gesetzt. Die Richter sollten sich einer „proaktiven Rolle verpflichtet fühlen“ (121). Udo E. Simonis plädiert für die Errichtung einer Weltumweltorganisation. Denn bisherige Ansätze hätten neben dem Bevölkerungswachstum, der Zunahme des Verbrauchs an Gütern und Diensten und den umweltschädigenden Technologien die Bedeutung von Institutionen übersehen. So existierten für den wirtschaftlichen Bereich die Weltbank, die Welthandelsorganisation oder die Internationale Energieagentur, es gebe jedoch keine Umweltinstitution. Der deutschen Politik wirft Simonis vor, anstatt hier im Rahmen der Vereinten Nationen eine aktive und produktive Rolle gespielt zu haben, sich lediglich auf einen Sitz im Sicherheitsrat begrenzt zu haben.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.42 | 5.44 | 4.45
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Berthold Lange (Hrsg.): Menschenrechte und ihre Grundlagen im 21. Jahrhundert – Auf dem Wege zu Kants Weltbürgerrecht Würzburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31951-menschenrechte-und-ihre-grundlagen-im-21-jahrhundert--auf-dem-wege-zu-kants-weltbuergerrecht_38104, veröffentlicht am 01.04.2010.
Buch-Nr.: 38104
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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