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/ 05.06.2013
Wolfgang Benedek / Otto König / Christian Promitzer (Hrsg.)

Menschenrechte in Bosnien und Herzegowina: Wissenschaft und Praxis

Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 1999 (Zur Kunde Südosteuropas II/26); 355 S.; geb., 99,- DM; ISBN 3-205-98993-7
Der Sammelband ist Ergebnis eines Ende 1997 durchgeführten Symposiums anläßlich der Verleihung des Menschenrechtspreises der Karl-Franzens-Universität Graz an die Ombudsleute der Föderation Bosnien und Herzegowina. In über 20 Beiträgen, darunter viele von Autoren aus der Region, wird eine breite Palette von Themen behandelt, die oftmals nur lose miteinander verknüpft sind. Nicht alle Aufsätze sind auf Menschenrechtsfragen bezogen und einige gerade aus der so bezeichneten Interreligiösen Sektion setzen sich gar nicht mit der Situation in Bosnien und der Herzegowina auseinander. Dieser Nachteil wird jedoch durch die kenntnisreichen Analysen der Hintergründe des verheerendsten Krieges im Nachkriegseuropa und durch die eindrucksvollen Schilderungen der Menschenrechtsarbeit in einer ethnisch und religiös zutiefst zerklüfteten Gesellschaft bei weitem aufgewogen. Die vielfach versuchte Beibehaltung des Vortragsduktus auch in der Druckfassung unterstreicht die Authentizität der Beiträge. Dem im Titel anklingenden Anspruch, außerhalb des wissenschaftlichen Elfenbeinturms die praktischen Probleme des Menschenrechtsschutzes zu verdeutlichen, wird der Band zweifelsohne gerecht – ohne deswegen aber auf die wissenschaftliche Fundierung und Einbettung zu verzichten. Die Perspektiven der Menschenrechtsentwicklung in dem vom Dayton-Abkommen erfaßten Gebiet sind – das lassen die Ausführungen zahlreicher Autoren erkennen – düster. Inhalt: I. Rechtswissenschaftliche Sektion: Cazim Sadikovic: Ein Überblick über den Schutz der Menschenrechte nach den Bestimmungen des Dayton-Abkommens (19-27); Manfred Nowak: Die Menschenrechtsbestimmungen des Abkommens von Dayton in der Praxis (29-44); Slavica Krneta: Die rechtlichen und praktischen Hindernisse bei der Rückkehr der Flüchtlinge und Emigranten (45-50); Heike Alefsen: Menschenrechtsschutz in Bosnien und Herzegowina: Aus der Sicht der internationalen Gemeinschaft (51-71); Roland Salvisberg: Menschenrechtsschutz in Bosnien und Herzegowina: Notwendigkeit des holistischen Ansatzes und Potential der Zivilgesellschaft (73-82); Zvonko Miljko: Perspektiven der Menschenrechte bei der Implementierung des Daytonabkommens (83-100); Joseph Marko: Einige Thesen zum "Politischen Wiederaufbau". Gemeinsame Institutionen, Zivilgesellschaft und die Rolle der Medien (101-112); Ermin Sarajlija: Die Aufnahme der Menschenrechte in die Studienpläne der Universität (113-119); Wolfgang Benedek: Menschenrechtsunterricht in Bosnien und Herzegowina: Entwicklung von Lehrangeboten für die Universitäten (121-131). II. Interreligiöse Sektion: Norbert Brieskorn S.J.: Die Menschenrechte als interreligiöse Herausforderung (141-153); Pero Sudar: Die Menschenrechte im Lichte der christlichen Lehre. Historischer Überblick und Grundlegungen (155-168); Ibrahim Dzananovic: Die wichtigsten Prinzipien der Menschenrechte in der islamischen Rechtswissenschaft (169-180); Eliezer Papo: Menschenrechte aus jüdischer Perspektive (181-213); Branka Raguz: Theorie und Praxis der Religionsfreiheit in der Föderation Bosnien und Herzegowina (215-227); Omer Nakicevic: Antwort auf die Herausforderung der Zeit (229-239); Velimir Blazevic: Das Engagement der Katholischen Kirche für die Wahrung und Verteidigung der Menschenrechte sowie der bürgerlichen Freiheit während des Krieges in Bosnien und Herzegowina (241-254); Boro Kontic: Die Position der bosnisch-herzegowinischen Medien bei interreligiösen Fragen (255-264). III. Historisch-philosophische Sektion: Gajo Sekulic: Fünf Paradoxa der Menschenrechtsfragen vom Standpunkt der ethischen Rekonstruktion der Geistes- und Sozialwissenschaften in Bosnien-Herzegowina – Thesen (273-283); Ugo Vlaisavljevic: Die Politik des Wissens und des Nichtwissens (285-308); Jovan Divjak: Nationale Mythen im Krieg (309-327); Branko Tosovic: Linguistik des Krieges – Krieg der Linguisten (329-340); Dzevad Juzbasic: Kritische Konfrontation mit der Vergangenheit (341-347); Rüdiger Malli: Die Bedeutung der österreichischen Geisteswissenschaften für die Rekonstruktion von Bosnien und der Herzegowina (349-355).
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 4.422.622.23 Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: Wolfgang Benedek / Otto König / Christian Promitzer (Hrsg.): Menschenrechte in Bosnien und Herzegowina: Wissenschaft und Praxis Wien/Köln/Weimar: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7942-menschenrechte-in-bosnien-und-herzegowina-wissenschaft-und-praxis_10529, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10529 Rezension drucken
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