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/ 22.06.2013
Ingo Cornils / Sarah Waters (Hrsg.)

Memories of 1968. International Perspectives

Oxford u. a.: Peter Lang 2010 (Cultural History and Literary Imagination 16); VII, 386 S.; 51,10 €; ISBN 978-3-03911-931-8
Das Jahr 1968 steht für die erste globale (Jugend)Revolution und ist vor allem in den visuellen Medien vielfach diskutiert worden. Auch in der Historiografie wurde das mystifizierte Phänomen von den verschiedenen Perspektiven analysiert. Jedoch fehlt bis heute eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, die ausgehend von den nationalen Narrationen einen mehrdimensionalen und internationalen Vergleich anstrebt. Im Kontext der 14 Beiträge wird versucht, dieses Forschungsdesiderat zu füllen. Der Anspruch des Konferenzbandes ist zum einen die Untersuchung der Erinnerungen rund um das Jahr 1968 in den verschiedenen nationalen Kontexten, wie zum Bespiel in Frankreich, Deutschland, aber auch China und Mexiko. Zum anderen wird nach den Erinnerungskulturen und -mechanismen sowohl auf intra- als auch auf internationaler Ebene gefragt. Im Vordergrund steht hierbei vor allem die Frage, inwieweit diese Prozesse die Wahrnehmung von politischer Gewalt, individueller Freiheit, Jugendkultur und Selbstverwirklichung widerspiegeln. Schlussendlich sollen die verschiedenen Beiträge einen Erkenntnisgewinn auf der Suche nach einer Art kollektiver und internationaler Erinnerung des Jahres 1968 leisten und damit der Forschungsdebatte eine breitere internationale Perspektive bieten. Während die Erklärungsversuche für die europäischen und amerikanischen Ereignisse in der Literatur relativ präsent sind, stellen die Analysen zu China und Mexiko ein Novum dar. So steht die mexikanische Studentenbewegung ganz unter dem Einfluss der Olympischen Spiele, die 1968 das erste Mal in Mexiko City ausgerichtet werden. Claire Brewster und Irene Fenoglio-Limón beschreiben in ihren Beiträgen die gewaltvolle Niederschlagung durch die Staatsmacht – das sogenannte Tlateloco Massaker – sowie die (traumatische) Verarbeitung in der Literatur, der kollektiven Erinnerung und der Politik. Auch in China stehen die Ereignisse von 1968 im Schatten einer größeren nationalen Bewegung; bereits 1966 beginnt die Kulturrevolution. Lan Yang dokumentiert zum einen die radikalen Erlasse der kommunistischen Staatspartei, zum anderen untersucht er aber auch inwieweit die westliche Bewegung die Kulturrevolution (und umgekehrt) beeinflusste.
Anja Franke-Schwenk (AF)
Dr. des., wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.222.3312.3132.642.652.682.61 Empfohlene Zitierweise: Anja Franke-Schwenk, Rezension zu: Ingo Cornils / Sarah Waters (Hrsg.): Memories of 1968. Oxford u. a.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33719-memories-of-1968_40384, veröffentlicht am 04.08.2011. Buch-Nr.: 40384 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA