/ 18.06.2013
Siegfried Jäger / Margarete Jäger
Medienbild Israel. Zwischen Solidarität und Antisemitismus
Münster/Hamburg/London: Lit 2003 (Medien: Forschung und Wissenschaft 3); 368 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 3-8258-6446-4Kämpften die Israelis, seien sie kriegerisch und brutal, hielten sie sich zurück, seien sie feige. Und die Palästinenser würden pauschal „in die Nähe von fanatischen, hysterischen und unzurechnungsfähigen Menschen“ (348) gerückt. So entstehe der Eindruck, dass vom Nahen Osten unkalkulierbare Risiken und Gefahren ausgingen. Zu diesem Ergebnis kommen die Mitarbeiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung, die im Auftrag des Berlin Office des American Jewish Committee die Berichterstattung in den deutschen Printmedien seit Ausbruch der zweiten Intifada im September 2000 untersuchten. Die Frage lautete, wie das Image insbesondere der Israelis beschaffen ist. Die Autoren konzentrieren sich auf die Berichterstattung über vier Ereignisse: über den Tempelberg-Besuch Scharons, den Tod des 12-jährigen Mohammed al-Dura, die Lynchmorde in Ramallah und über ein Selbstmordattentat in Tel Aviv. Es geht dabei um den Mediendiskurs in seiner Gesamtheit, der das kollektive und individuelle Bewusstsein formiert. Dabei zeige sich, dass sich auch in aktuellen Diskursen „antijüdische Klischees finden, die die deutschen Diskurse über die Juden seit jeher begleiten“ (335). Aufschlussreich ist u. a. die Analyse, wie sich in der Berichterstattung die einhellige Auffassung herauskristallisierte, Scharon habe mit seinem Besuch auf dem Tempelberg die Intifada ausgelöst. Die Möglichkeit, dass Arafat die Intifada absichtlich vom Zaun gebrochen habe, sei dagegen kaum angesprochen worden, kritisieren die Autoren. Statt einer unausgewogenen und mit rassistischen wie antisemitischen Tönen unterlegten Berichterstattung empfehlen die Autoren, negative Charakterisierungen ganzer Personengruppen zu vermeiden. Auch auf Sprachbilder, die auf Naturkatastrophen oder biblische Szenen anspielten, sei zu verzichten. Und schließlich sollten Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete nicht allein aus dem Blickwinkel von Mord und Totschlag wahrgenommen werden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.333 | 2.63 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Siegfried Jäger / Margarete Jäger: Medienbild Israel. Münster/Hamburg/London: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18775-medienbild-israel_21780, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21780
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA