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/ 06.06.2013
Henning Böke

Maoismus. China und die Linke – Bilanz und Perspektive

Stuttgart: Schmetterling Verlag 2007 (Theorie.org); 215 S.; brosch., 10,- €; ISBN 978-3-89657-596-8
Die Einordnung des Buches in eine Theorie-Reihe greift zu kurz: Böke legt über eine Darstellung des Maoismus hinaus eine Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert vor, versehen mit Bezügen auf die kommunistischen Bewegungen in der Welt. Die Analyse ist umfassend und von beeindruckender Detailkenntnis, verfügt aber über eine ideologische Schlagseite, die den Autor immer wieder vom Terrain der wissenschaftlichen Darstellung zur politischen Stellungnahme führt – mit unerfreulichen Folgen, z. B. wird die Hungerkatastrophe infolge des „großen Sprungs“ heruntergerechnet und damit relativiert. Böke entzieht sich insgesamt weitgehend einer kritischen Auseinandersetzung mit der (auch gewaltsamen) Umsetzung ideologisch motivierter Vorgaben unter Hinweis auf die damaligen Schwierigkeiten. Mao selbst wird tendenziell unkritisch betrachtet und vor allem als Theoretiker gewürdigt. Und darin liegt auch die zentrale Aussage Bökes: Er sieht die Gedanken Maos und damit die chinesische Abwandlung des Kommunismus als möglicherweise Erfolg versprechenden Weg einer nichtkapitalistischen (und nichtstaatssozialistischen) Entwicklung. Im Zentrum könnte, so folgt der Autor den Gedanken des Politologen Cui Zhiyuan, eine Kollektivwirtschaft stehen, die dem Privateigentum überlegen sein könnte, weil das Wachstum allen zugute komme. Böke sieht China gegenwärtig „wieder bei Maos ursprünglichem Programm der ‚Neuen Demokratie’ angekommen: Die Kommunistische Partei organisiert einen Kompromiss verschiedener Klassen im Dienste der Entwicklung einer starken und souveränen Nation“ (169). – Es ist aber zu fragen, ob damit nicht um einer stringenten Argumentation willen die Situation in China beschönigt wird. Die Frage stellt sich auch angesichts der unkritischen Übernahme einer Menschenrechtsdefinition, die nur auf soziale Belange abhebt. Hinweise auf die Verletzung individueller Menschenrechte und die Unterdrückung von Minderheiten finden keinen angemessenen Platz. Trotz der kritikwürdigen Aspekte kann das Buch aber als ein interessanter Beitrag zur linken Theorie gelesen werden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.682.222.25 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Henning Böke: Maoismus. Stuttgart: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8986-maoismus_29834, veröffentlicht am 23.07.2008. Buch-Nr.: 29834 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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