/ 22.06.2013
Wolfgang Ramsteck
Managing Globalisation. Britische Handelspolitik unter New Labour
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Internationale Politische Ökonomie 11); 297 S.; 49,- €; ISBN 978-3-8329-6063-6Wirtschaftswiss. Diss. Erlangen-Nürnberg; Gutachter: A. Falke, D. Gossel. – In Untersuchungen zur europäischen Handelspolitik wird die EU in aller Regel als einheitlicher Akteur betrachtet, was vor allem mit der großen Bedeutung der Kommissions- bzw. Ministerialbürokratie für dieses Politikfeld begründet wird. Demgegenüber kritisiert Ramsteck als „zentrale Schwäche der bisherigen Analysen […] die geringe Konzentration auf das Zustandekommen europäischer handelspolitischer Präferenzen“ (17). Mit Hilfe des Open Economy Politics-Ansatzes und (positivistischen) Ansätzen der Internationalen Politischen Ökonomie untersucht er die Herausbildung handelspolitischer Präferenzen und deren Einfluss auf bzw. Wechselwirkungen mit der EU-Position am Beispiel der britischen Handelspolitik. Als Fallbeispiele dienen dabei die Verhandlungen im Rahmen der sogenannten Doha-Runde innerhalb der WTO sowie die Diskussion über die Reform der Anti-Dumping-Regelungen der EU in Form des Grünbuchs aus dem Jahr 2006. Ramsteck zeigt, dass die europäischen Präferenzbildungsprozesse im Bereich der Handelspolitik jenseits sichtbarer institutioneller Prozesse sehr viel stärker mit nationalen Debatten und Interessen verknüpft sind bzw. von diesen beeinflusst werden als gemeinhin angenommen. Dies lässt sich sowohl am starken Einfluss nationaler parteipolitischer Präferenzen und Ideologien als auch am Einfluss beteiligter nationaler Interessengruppen und NGOs ablesen. Insgesamt handelt es sich um eine lesenswerte Studie, die allerdings mit einigen Schwachstellen versehen ist, da der Autor zwei eigentlich partiell voneinander unabhängige Fragestellungen vermischt und die Argumentation diesbezüglich nicht immer stringent und oft lückenhaft ist: So liegt der Schwerpunkt der Analyse letzten Endes doch auf den innerbritischen Debatten und der Herausbildung einer nationalen Positionierung, während die Verknüpfung mit und vor allem der Einfluss auf die EU-Position oft unter den Tisch fallen bzw. nur schwammig analysiert werden. So wird das Buch zwar (und hier recht überzeugend) seinem Titel gerecht, jedoch nicht immer den selbstgestellten Ansprüchen des Autors.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.22 | 2.61 | 3.6
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Wolfgang Ramsteck: Managing Globalisation. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33864-managing-globalisation_40576, veröffentlicht am 08.09.2011.
Buch-Nr.: 40576
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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