/ 22.06.2013
Philipp Rock
Macht, Märkte und Moral. Zur Rolle der Menschenrechte in der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland in den sechziger und siebziger Jahren
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2010 (Europäische Hochschulschriften: Reihe III, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 1070); 292 S.; 49,80 €; ISBN 978-3-631-59705-7Geschichtswiss. Diss. HU Berlin; Gutachter: K. Patel. – Bei der Frage nach der Rolle der Menschenrechte in den internationalen Beziehungen bleibe die Zeit des Ost-West-Konflikts – vor allem in der politikwissenschaftlichen Forschung – häufig mit der Begründung ausgeklammert, Menschenrechte dienten lediglich als Propagandainstrument, schreibt der Autor. Er möchte diese Auffassung relativiert wissen und stellt ihr die These entgegen, dass gerade während der Phase des Kalten Krieges wichtige Schritte eingeleitet wurden, die „die Grundlage für den Durchbruch der Menschenrechte als eine nahezu allgemein akzeptierte Norm in den internationalen Beziehungen nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes legten“ (15). Welche Rolle die Bundesrepublik bei dieser Entwicklung spielte und welche Bedeutung die Menschenrechte in den 60er- und 70er-Jahren für die Formulierung der westdeutschen Außenpolitik einnahmen, analysiert Rock anhand exemplarischer Einzelfälle. Für die bilaterale Ebene hat Rock mit Griechenland, Südafrika und Iran drei Länder ausgewählt, die verschiedene Stufen der Nähe zum westlichen Kulturkreis sowie unterschiedliche strategische Bedeutungen für die Bundesrepublik abdecken. Auf der multilateralen Ebene werden die Verhandlungen der KSZE sowie die Politik der Bundesrepublik im Rahmen der VN betrachtet. Rock kann für jedes Fallbeispiel jeweils verschiedene Erscheinungsformen und Intensitätsgrade bei der Forderung nach der Einhaltung der Menschenrechte ausmachen. Dass gegenüber dem Iran menschenrechtliche Bedenken nur sehr zurückhaltend geäußert wurden, führt der Autor darauf zurück, dass „der Gedanke der Universalität der Menschenrechte zu dieser Zeit auch in der westdeutschen Gesellschaft [...] noch nicht allzu tief verwurzelt war“ (215). Am Beispiel Südafrikas macht Rock die „Wirksamkeit supranationaler Koordinierungsmechanismen“ (181) deutlich; die Bundesregierung musste gegen wirtschaftliche Interessen agieren, um nicht international isoliert zu werden. Als wichtigster Einflussfaktor für die Entwicklung der Rolle der Menschenrechte habe sich „der Kontrollverlust der Bundesregierung über die Formulierung ihrer Außenpolitik“ (276) erwiesen.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.21 | 4.42 | 2.61 | 2.63 | 2.67 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Philipp Rock: Macht, Märkte und Moral. Frankfurt a. M. u. a.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32383-macht-maerkte-und-moral_38642, veröffentlicht am 08.07.2010.
Buch-Nr.: 38642
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