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/ 20.06.2013
Jürgen Gerhards

Kulturelle Unterschiede in der Europäischen Union. Ein Vergleich zwischen Mitgliedsländern, Beitrittskandidaten und der Türkei

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2005; 316 S.; brosch., 27,90 €; ISBN 3-531-14321-2
Der Soziologe Gerhards untersucht kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten innerhalb der EU sowie zwischen den Mitgliedsländern und den Beitrittskandidaten, insbesondere der Türkei. Die empirischen Analysen zu Werthaltungen hinsichtlich Religion, Familie und Geschlechterrollen sowie Vorstellungen von Wirtschaftsmodellen und Wohlfahrtsstaat, Demokratie und Zivilgesellschaft basieren auf drei Quellen: 1. Einer Inhaltsanalyse (wiederum auf der Grundlage bestehender Untersuchungen) des kulturellen Selbstverständnisses der EU anhand ihres Primär- und Sekundärrechts als normativem Bezugspunkt, 2. einer Überprüfung dieser Vorstellungen der EU mit der Realität in ihren Mitgliedstaaten anhand von Umfragedaten der „European Values Study 1999/2000“ und 3. einigen Makroindikatoren zur Erklärung der gefundenen Unterschiede. Als wesentliche Faktoren führt Gerhards dabei den Modernisierungsgrad einer Gesellschaft, die kulturell-religiöse Tradition sowie die politisch-institutionelle Ordnung eines Landes an. Neben dem BIP und - für die osteuropäischen Länder - der Anzahl der Jahre unter sozialistischer Herrschaft verwendet er folgende Makroindikatoren: „Size of Government“ (gibt an, wie viele Ressourcen eines Landes über den Markt anstatt über politische Prozesse verteilt werden), „Human Development Index“ (HDI) sowie „Gender Empowerment Measure“ (GEM) des UNDP. Im Zentrum der komplexen Arbeit steht die Türkeifrage. Die empirische Untersuchung zeigt, dass die Türkei – im Gegensatz zu den neuen Mitgliedern und anderen Kandidaten - nicht nur im wirtschaftlichen, sondern auch im Wertebereich deutlich von den Idealen der EU abweicht. Gerhards betont aber, dass es sich dabei lediglich um eine Momentaufnahme handelt und verweist auf den Wertewandel in Deutschland (seit dem Zweiten Weltkrieg) und in Spanien (seit der EG-Mitgliedschaft). Ob die Türkei EU-tauglich sei und sich die EU mit der Türkei nicht überfordere, hänge vor allem von der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes ab; diese Entwicklung lasse sich aber nicht stichhaltig prognostizieren.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 3.12.232.612.622.63 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Jürgen Gerhards: Kulturelle Unterschiede in der Europäischen Union. Wiesbaden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22793-kulturelle-unterschiede-in-der-europaeischen-union_26024, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 26024 Rezension drucken
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