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/ 21.06.2013
Micha Brumlik

Kritik des Zionismus

Hamburg: Europäische Verlagsanstalt 2007; 198 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 978-3-434-50609-6
Der Zionismus, der Gründungsmythos des in diesem Jahr 60 Jahre alten Staates Israel, entstand im späten 19. Jahrhundert. Er bestand schon immer aus unterschiedlichen Strömungen, etwa dem sozialistischen oder auch dem religiösen Zionismus, und war und ist die Grundlage der jüdischen Siedlungsbewegung in Israel und Palästina. Der Zionismus war eine Antwort auf die Judenverfolgungen der Neuzeit, vergleichbar auch dem westeuropäischen Assimilationismus, dem jüdischen Sozialismus und den Varianten eines ethnisch verstandenen Kulturjudentums. Die zionistische Bewegung war angetreten, die „widersprüchlichen Tendenzen des modernen Judentums [...] zu lösen“ (7). Brumlik zeichnet in seiner geschichtsphilosophischen Kritik die Wurzeln der zionistischen Bewegung nach, beginnend mit dem europäischen Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts über den Holocaust bis zum nach wie vor bedrohten Staat Israel im heutigen Nahen Osten. Dabei widerlegt er die These, der Holocaust sei eine Ursache der Gründung des Staates Israel gewesen. Er lässt zahlreiche prominente Stimmen der jüdischen Philosophie und des Zionismus zu Wort kommen und unterzieht sie einer gründlichen Kritik. Dazu gehören etwa Theodor Herzl, Hermann Cohen, Hannah Arendt und Yael Tamir. Im letzten Kapitel entwirft Brumlik die Vision eines europäischen Israel, das durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union endlich Ruhe, Sicherheit und Frieden finden könne. Er schreibt: „nach vermeintlichem Erfolg und letzendlichem Scheitern des Zionismus, also nach dem Ende dieser Weltanschauung, [bleibt] nur noch die Sorge um die jüdische und arabische Bevölkerung Israels und Palästinas sowie eine dem entsprechende entschiedene Solidarität [...] – eine Solidarität, die sich freilich nie anmaßen darf, den verfeindeten Akteuren, seien sie nun Juden oder Palästinenser, Ratschläge zu erteilen, deren Folgen die Ratgeber ja selbst nicht auszutragen haben.“ (9) Brumlik ist Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Christiane J. Fröhlich (CJF)
Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
Rubrizierung: 2.632.23 Empfohlene Zitierweise: Christiane J. Fröhlich, Rezension zu: Micha Brumlik: Kritik des Zionismus Hamburg: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27990-kritik-des-zionismus_32896, veröffentlicht am 07.04.2008. Buch-Nr.: 32896 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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