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/ 22.06.2013
Manuel Probst

Kriegsbeendigungen. Eine empirische Analyse der Faktoren und Prozesse bei der Deeskalation von Kriegen

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 611); 375 S.; 49,80 €; ISBN 978-3-631-62175-2
Politikwiss. Diss. Hamburg. – Der Autor analysiert, wie seit 1945 weltweit Kriege beendet wurden. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle dabei externe Vermittler gespielt haben. Auf dieser Basis sollen Prognosen darüber formuliert werden, ob und wie externe Mediation, etwa durch die Vereinten Nationen, für spezifische Konfliktzusammenhänge hilfreich sein kann. Sind es eher interne oder eher externe Prozesse, die für eine Konfliktdeeskalation zentral sind? Welche Prozesse spielen sich überhaupt bei einer Konfliktbeendigung ab? Methodisch handelt es sich um eine „makro-quantitative, statistisch-empirische Untersuchung“ (19), die mit vergleichenden qualitativen Untersuchungen verbunden wird. Der Autor geht dabei explizit nicht auf Nachkriegsordnungen und Versöhnungsprozesse ein. Die Arbeit ist in drei Schritte gegliedert: Erstens wird die Literatur zum Themenfeld Kriegsbeendigung ausgewertet. Die auf dieser Analyse basierenden Thesen und Ideen – etwa, dass das Ende des Kalten Krieges einen deutlichen Einfluss auf die Formen der Kriegesbeendigung hatte – werden zweitens empirisch-statistisch überprüft. Hauptquelle dafür ist die Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) der Universität Hamburg, in deren Kontext die Dissertation auch verfasst wurde. Da der Einfluss externer Akteure bei Antiregimekriegen seit 1989 laut Probst umfangreicher war als bei anderen Konfliktarten, wird in einem dritten und letzten Schritt mit fünf Fallstudien ein genaueres Bild über Kriegsbeendigungsprozesse und -faktoren bei diesem Kriegstypus gezeichnet. Die Fallstudien wurden nach dem „most similar system“-Prinzip ausgewählt: Nepal, Angola, Mosambik sowie zweimal Kambodscha. Zu den Ergebnissen gehört die Erkenntnis, dass Kriegsbeendigungen bei Antiregimekriegen nur sehr schwer von externen Akteuren herbeigeführt werden können. Probst kommt zu dem Schluss, dass vor allem interne Faktoren und Prozesse eine Beendigung von Antiregimekriegen ermöglichen. Zudem haben die externen Akteure durch ihre Unterstützung einzelner Konfliktbeteiligter in allen fünf Fallstudien zu einer Eskalation des Konfliktes beigetragen, während die Beendigung dieser Unterstützung keinesfalls eine Kriegsbeendigung herbeiführte.
Christiane J. Fröhlich (CJF)
Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
Rubrizierung: 4.412.252.672.68 Empfohlene Zitierweise: Christiane J. Fröhlich, Rezension zu: Manuel Probst: Kriegsbeendigungen. Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35322-kriegsbeendigungen_42542, veröffentlicht am 04.10.2012. Buch-Nr.: 42542 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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