/ 22.06.2013
Stefan Köppl / Uwe Kranenpohl (Hrsg.)
Konkordanzdemokratie. Ein Demokratietyp der Vergangenheit?
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Tutzinger Studien zur Politik 2); 444 S.; pb., 69,- €; ISBN 978-3-8329-7066-6Demokratie als Herrschaftsform kann nicht nur zwischen den bekannten Polen repräsentative versus direkte Demokratie dekliniert werden. Mindestens ebenso spannend ist eine Untersuchung der Frage, wie in der Demokratie Konflikte geregelt werden. Als Pole stehen hier zum einen das „Westminster-Modell“ (Konkurrenz- bzw. Mehrheitsdemokratie), zum anderen das der Verhandlungsdemokratie (Konsens-, Proporz- oder Konkordanzdemokratie) zur Debatte. Der Sammelband enthält die Beiträge einer Tutzinger Fachtagung aus dem Jahr 2010, bei der in umfassender und anregender Weise eine breite Anzahl von Aspekten zum Thema Konkordanzdemokratie diskutiert wurde. Einleitend erörtert Uwe Kranenpohl die Bedeutungsunterschiede der Begriffe Konkordanz-, Konsens- und Verhandlungsdemokratie und entwickelt dabei, die älteren Schriften von Lijphart, Lehmbruch und anderen fortentwickelnd, eine neue Typologie, die sowohl für die Schweizer Konkordanzdemokratie als auch für andere Fallbeispiele zutrifft. Erhellend ist in diesem Kontext auch der bereits wissenschaftshistorisch zu nennende, anschauliche Beitrag von Gerhard Lehmbruch über die Entwicklung des Konkordanzdemokratie-Begriffs in der vergleichenden Politikforschung. Es folgen acht Länderstudien von überwiegend hohem Qualitätsniveau über vor allem mittel- und westeuropäische Beispiele. Erfreulich ist, dass dabei neben den üblichen Fallbeispielen (Schweiz, Österreich, Niederlande etc.) auch das Beispiel Luxemburg in einem eigenständigen Beitrag betrachtet wird. Überaus anregend, wenn auch leider in allzu hermetischem Politologen-Jargon formuliert, ist der Beitrag über die Europäische Union als Konkordanzsystem im Demokratiedilemma. In den weiteren Beiträgen werden die Reformfähigkeit von Konkordanzsystemen, das Phänomen von „Konkordanzparteien“ (241 ff.), verschiedene Politikfelder (u. a. Migrations-, Bildungs- und Biopolitik) und mehrere konkrete Fälle untersucht, in denen konkordanzdemokratisches Vorgehen temporär oder dauerhaft zur innerstaatlichen Konfliktlösung beigetragen hat. Das Buch richtet sich an einen breiten Benutzerkreis in Forschung und Lehre, Politik, Medien und politisch interessierter Öffentlichkeit.
Burkard Steppacher (BKS)
Prof. Dr., Konrad-Adenauer-Stiftung; Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen, Universität zu Köln (http://www.jeanmonnetchair.uni-koeln.de/index.php?id=252).
Rubrizierung: 2.21 | 2.5 | 2.61 | 3.1 | 2.22 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Burkard Steppacher, Rezension zu: Stefan Köppl / Uwe Kranenpohl (Hrsg.): Konkordanzdemokratie. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35560-konkordanzdemokratie_42904, veröffentlicht am 29.11.2012.
Buch-Nr.: 42904
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Prof. Dr., Konrad-Adenauer-Stiftung; Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen, Universität zu Köln (http://www.jeanmonnetchair.uni-koeln.de/index.php?id=252).
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