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/ 20.03.2014
Bettina Petersohn

Konfliktregulierung in multinationalen Demokratien. Föderalismus und Verfassungsreformprozesse in Kanada und Belgien im Vergleich

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Schriften zum Föderalismus 3); 281 S.; 49,- €; ISBN 978-3-8487-0217-6
Diss. TU Darmstadt; Begutachtung: A. Benz, P. Niesen. – Wie notwendig legal definierte und von den betroffenen Bevölkerungsteilen weitgehend anerkannte Mechanismen der Konfliktregelung in multinationalen Demokratien sind, zeigt dieser Tage das Beispiel der Ukraine auf erschreckende Weise – auch wenn man sie wohl eher noch als „Staat in Transition“ zur Demokratie betrachten kann. Bettina Petersohn befasst sich nun mit zwei multinationalen Staaten, die wohl unzweifelhaft zu den alten Demokratien zu zählen sind, Kanada und Belgien. Beide haben mehr oder minder seit ihrer Gründung mit Konflikten zwischen im Wesentlichen zwei nationalen Gruppen zu kämpfen, die sich in ihrer Nationalität vor allem sprachlich definieren. Aus dem Zusammenleben zweier Nationen in einem Staat resultierte die klassische Dominanzsituation einer der beiden Sprachgruppen, der englischsprachigen in Kanada, (zunächst) der französischsprachigen in Belgien. Zu untersuchen war nun, wie beziehungsweise aufgrund welcher spezifischen Bedingungen es diesen beiden Staaten gelungen ist, ihre Konflikte und nationalen Unterschiede zu akkommodieren. Erfolgreich, so nimmt die Autorin an, kann dies nur geschehen, wenn die Differenzen zwischen den Gruppen anerkannt und auf einer (verfassungs‑)rechtlich stabilen Grundlage moderiert werden. Gerade die Verfassungsänderung mit dem Ziel, die Interessen der nationalen Gruppen zu sichern und ihre Repräsentation im politischen Leben zu gewährleisten, steht daher in dieser Arbeit im Zentrum des Forschungsinteresses. In Belgien und Kanada findet sich nicht nur das Element der Multinationalität wieder; hier wurden Verfassungsrevisionsprozesse auch gezielt zur Bearbeitung von Konflikten zwischen den Sprachgruppen eingesetzt, mit dem Föderalismus als Basis der politischen Machtaufteilung. Die Entwicklung in beiden Staaten wird historisch‑vergleichend dargestellt und analysiert, bevor die Ergebnisse der Analysen vergleichend zusammengefasst und ausgewertet werden.
Sven Leunig (SVL)
Dr., Politologe, Akademischer Rat, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.svenleunig.de).
Rubrizierung: 2.212.612.64 Empfohlene Zitierweise: Sven Leunig, Rezension zu: Bettina Petersohn: Konfliktregulierung in multinationalen Demokratien. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36894-konfliktregulierung-in-multinationalen-demokratien_45300, veröffentlicht am 20.03.2014. Buch-Nr.: 45300 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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