/ 22.06.2013
Nicolas Schwank
Konflikte, Krisen, Kriege. Die Entwicklungsdynamiken politischer Konflikte seit 1945
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Weltregionen im Wandel 9); 375 S.; brosch., 64,- €; ISBN 978-3-8329-5203-7Diss. Freiburg; Begutachtung: U. Wagschal, F. Pfetsch. – „Die Frage nach den Gründen und Ursachen von Kriegen ist die zentrale Frage der quantitativen empirischen Konfliktforschung. Doch trotz jahrzehntelanger Forschung zu Kriegen und Kriegsursachen sind die bisherigen Ergebnisse der Forschungsdisziplin noch immer unbefriedigend: Die Ergebnisse gelten als ‚ideenloses Zahlenwerk‘ [...] oder als ‚Theorieinseln‘, die jeweils nur eng begrenzte Fälle erklären können, die aber bisher von niemandem zu einer Gesamttheorie vernetzt werden konnten“ (23). Mit dieser einleitenden Feststellung hat Schwank die Erwartung weit nach oben geschraubt. Er will nicht noch „eine weitere deterministische Kausalkette“ anbieten, sondern auf der Grundlage eines neuen Konfliktmodells die Strukturen und Dynamiken von zwischen- und innerstaatlichen Kriegen im Allgemeinen analysieren und damit „letztlich eine neue empirische Grundlage zur Risikoabschätzung von Kriegen“ (25) bilden. Dazu präsentiert Schwank ein Datenbankmodell, das nicht nur Opfer auflistet, sondern Merkmale enthält, die selbst „nicht gewaltsame Konfliktformen messbar [...] machen“ (24) können, denn anders ist die angestrebte Risikoabschätzung nicht zu leisten. Der Autor verwendet einige Mühe darauf, Konflikte generisch zu definieren, um die Indikatoren jenseits der Opferzahl bestimmen zu können. Allerdings kann gerade Schwanks Diskussion eines modernen Kriegs- und Konfliktmodells nicht überzeugen, weil der quantitative Analytiker darauf fokussiert ist, eine Datenbank zu konfigurieren: CONIS (Conflict Information System) – wie alle datenbankbasierten Instrumente auch – stößt dann an seine methodischen Grenzen, wenn etwas nicht in Zahlen, Codes und allgemein anerkannten Definitionen er- und gefasst werden kann. Umso mehr erscheint der Krieg dem Empiriker als ein „Chamäleon“ (Clausewitz, 81), weil er sich beständig neu zu erfinden scheint. Man merkt Schwanks Ausführungen an – und findet eine Bestätigung dafür in seiner Literaturliste –, dass er sich beispielsweise nicht mit der Psychologie derjenigen Akteure auseinandergesetzt hat, die die Kriege und Konflikte austragen und deren Handlungsdynamik CONIS aber prognostizierbar machen soll. Die Erwartungen, mit CONIS ein belastbares Prognoseinstrument zu installieren, können nicht erfüllt werden. Dessen „tatsächliche Relevanz wird sich jedoch erst noch erweisen müssen“ (346) – letztendlich dann, wenn das Prognosepotenzial von CONIS mit sicherheitspolitischen Richtungsentscheidungen korreliert wird.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.41
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Nicolas Schwank: Konflikte, Krisen, Kriege. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34843-konflikte-krisen-kriege_41886, veröffentlicht am 03.01.2013.
Buch-Nr.: 41886
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Dr., Historiker.
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