/ 05.06.2013
Peer Gatter
Khomeinis Erben. Machtpolitik und Wirtschaftsreformen im Iran
Münster: Lit 1998 (Demokratie und Entwicklung 32); XVI, 165 S.; geb., 39,80 DM; ISBN 3-8258-3984-2Im Mittelpunkt der Arbeit steht die wirtschaftliche Reformpolitik im Iran während der Amtszeit von Präsident Rafsanjani in den Jahren von 1989 bis 1997. Gekennzeichnet war diese durch die Abkehr vom Staatsinterventionismus und das Streben nach einem marktorientierten effizienten System. Gatter untersucht die Reformansätze, die mit der Wirtschafts- und Systemkrise Ende der 80er Jahre zusammenhängen und nimmt das Scheitern dieser Politik, das spätestens seit 1995 erkennbar war, zum Anlaß, um nach dessen Ursachen zu fragen. Zwei oft vorgebrachte Thesen über die Gründe für den Fehlschlag der Reformen kann er widerlegen: Weder ist das amerikanische Wirtschaftsembargo gegen den Iran noch sind es die massiven "Windfall-Profite" im Kontext des zweiten Golfkrieges gewesen, die im Rahmen des von Gatter verfolgten Rentierstaatansatzes das Ende der Umgestaltung im Iran erklären könnten. Statt dessen sieht er dieses in inneriranischen Elitenkonflikten begründet. Denn von Beginn an waren die Reformen umstritten, die wirtschaftlichen Ziele konnten nicht erreicht werden. Daraus resultierten soziale Unruhen, die die Legitimation der Staatsführung in Frage stellten. Dadurch waren die unterschiedlichen Interessen und Reformvorstellungen so verschärft worden, daß sie schließlich langfristig angelegte Entwicklungsstrategien verhinderten. Diese Entwicklung wurde erst mit dem Wahlsieg des als liberal geltenden Präsidenten Khatami bei den Wahlen 1997 gebremst. So scheiterte Rafsanjani weniger aus wirtschaftlichen Gründen, vielmehr fiel er den Machtambitionen seines Gegenspielers Khamene'i zum Opfer: "Er scheitert politisch innerhalb der Staatsklasse" (137).
Inhaltsübersicht: II. Erdölrente und politische Herrschaft im Iran; III. Wirtschaftskrise und Entstehung eines Reformbündnisses; IV. Rafsanjanis Reformprogramm; V. Diskussion der Ursachen des Scheiterns; VI. Ergebnis; VII. Aktuelle politische Lage und Ausblick.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.63 | 2.262 | 4.22 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Peer Gatter: Khomeinis Erben. Münster: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7800-khomeinis-erben_10347, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10347
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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