/ 22.06.2013
Sebastian Hoepfner
Jewish Organizations in Transatlantic Perspective. Patterns of Contemporary Jewish Politics in Germany and the United States
Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2012 (American Studies – A Monograph Series 226); XV, 364 S.; hardc., 45,- €; ISBN 978-3-8253-6073-3Diss. Passau; Begutachtung: W. Gellner, K. Fitz. – In seiner vergleichend angelegten Arbeit im Feld des Interessengruppenpluralismus fragt Sebastian Hoepfner, wie sich jüdische Organisationen in den USA (z. B. American Jewish Committee, Anti-Defamation League, American Jewish Congress etc.) und der Bundesrepublik (Zentralrat der Juden in Deutschland) politisch gegenüber Staat und Gesellschaft positionieren. Die Konzentration auf diese beiden Länder ist nicht rein zufällig: Während die politische Verankerung, die soziale Einbindung und die numerische Stärke jüdischer Organisationen außerhalb von Israel in den USA wohl am stärksten ausgeprägt ist, ist die jüdische Gemeinde in Deutschland nach dem Holocaust immer noch sehr klein und relativ schwach politisch vertreten. Vor diesem Hintergrund eröffnet Hoepfners Ansatz des „most different system design“ die Möglichkeit eines auf breiter Datenbasis ruhenden Vergleichs, an dessen Ende – nach der Auswertung verfügbarer Sekundärliteratur, selbst geführter Interviews mit Repräsentanten der jeweiligen jüdischen Gemeinschaften und der Analyse von Primärquellen – das Ergebnis steht, dass die Beschaffenheit der politischen Systeme sowie die Verbindung zur Regierung eine entscheidende Rolle für das jeweilige Auftreten der jüdischen Organisationen in den untersuchten Ländern spielen. Während in den USA – nicht zuletzt auch wegen der Konkurrenz einer Vielzahl von Organisationen – eine regelrechte Rivalität hinsichtlich des Zugangs zur Politik zu beobachten ist, sieht sich der Zentralrat der Juden in Deutschland als Dachorganisation eher vor das Problem gestellt, einen für alle Mitglieder akzeptablen Mittelweg zwischen Kooperation und Nähe auf der einen und hinreichender Unabhängigkeit auf der anderen Seite zu finden. Die Frage indes, ob die politische Tätigkeit jüdischer Organisationen unter dem spezifischen Terminus der „Jewish Politics“ zu analysieren ist, beantwortet Hoepfner abschlägig: Jüdische Interessenvertretung – als Subjekt der Politik – unterscheidet sich als Teil eines breiten Interessengruppenpluralismus nicht signifikant von anderen organisierten Interessenvertretungen.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22 | 2.23 | 2.331 | 2.35 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Sebastian Hoepfner: Jewish Organizations in Transatlantic Perspective. Heidelberg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35671-jewish-organizations-in-transatlantic-perspective_43071, veröffentlicht am 07.02.2013.
Buch-Nr.: 43071
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA