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/ 18.06.2013
Bernard Wasserstein

Israel und Palästina. Warum kämpfen sie und wie können sie aufhören? Aus dem Englischen von Sigrid Langhaeuser

München: C. H. Beck 2003; 172 S.; 9,90 €; ISBN 3-406-51059-0
Am Beginn dieses Buches, das aus den Leonard-Stein-Vorlesungen 2002 des Balliol College (Oxford) entstanden ist, zieht Wasserstein Parallelen zwischen dem jüdischen Zionismus und dem palästinensischen Nationalismus: „Jede Seite betrachtet sich als elementaren politischen Ausdruck einer Nation von Opfern [...]. Beide Seiten haben auf Terrorismus und Menschenrechtsverletzungen zurückgegriffen. Beide Seiten haben lange die nationale Existenz und Legitimität der anderen Seite geleugnet. [...] Beide sind fast am Ende." (8) Wasserstein - Professor für Geschichte an der Universität Glasgow - beschäftigt sich mit den Gründen des so lang anhaltenden und erbitterten Konfliktes zwischen Israelis und Palästinensern. Dabei geht er davon aus, dass es nachvollziehbare und nachweisbare Gründe für diesen Konflikt gibt. Er tritt den gängigen Vorurteilen und Klischees entgegen, die die beiden verfeindeten Gruppen als unversöhnlich per se oder als „Marionetten in einem übergeordneten, globalen Theater" (9) darstellen. Im Gegenteil: Beide Gruppen kämpfen, so Wasserstein, um klar definierte Interessen, stützen sich auf verständliche Wertsysteme und verfolgen nachvollziehbare Ziele. Um eine „nüchternere Einschätzung zukünftiger Chancen" (9) zu ermöglichen, unterscheidet der Autor zwischen vier Gesichtspunkten: dem demografischen, dem sozioökonomischen, dem ökologischen und dem territorialen. Unberücksichtigt bleiben Aspekte wie religiöser Symbolismus, Gewalt und ethnisch begründeter Nationalismus. Statt den Kampf um Palästina als irrationales Ringen nationalistischer und religiöser Ideologien zu begreifen, stellt Wasserstein heraus, dass unter der Oberfläche kaum bemerkte, aber fundamentale Veränderungen stattfinden, „die beide Seiten früher oder später zwingen werden, ihre quälenden und dennoch unauflöslichen Beziehungen nolens volens neu zu gestalten" (10).
Christiane J. Fröhlich (CJF)
Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
Rubrizierung: 2.632.25 Empfohlene Zitierweise: Christiane J. Fröhlich, Rezension zu: Bernard Wasserstein: Israel und Palästina. München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19914-israel-und-palaestina_23178, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23178 Rezension drucken
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