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/ 17.06.2013
Ofer Grosbard

Israel auf der Couch. Zur Psychologie des Nahostkonfliktes. Aus dem Englischen von Axel Monte. Mit einem Geleitwort von Yoram Kaniuk

Düsseldorf: Patmos Verlag 2001; 247 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-491-72453-8
Mit seinem Buch zielt der Autor, ein klinischer Psychologe und Psychoanalytiker, darauf, eine neue Perspektive auf den arabisch-israelischen Konflikt zu eröffnen, denn die Analyse der jüngsten Entwicklungen aufgrund der Betrachtung der historischen und politischen Rahmenbedingungen reiche, so Grosbard, nicht aus. Der Leser solle stattdessen überzeugt werden, "daß der Friedensprozeß im Nahen Osten in erster Linie ein emotionaler Prozeß ist" (15). Nun wird niemand ernsthaft bestreiten, dass ein Konflikt, der seit mehr als 100 Jahren Araber und Juden trennt, in den Gemütern der involvierten Akteure Spuren des Misstrauens und des Hasses hinterlassen hat, die eine endgültige und umfassende Regelung erschweren. Die Konfliktparteien selbst und extraregionale Akteure, die sich um eine Regelung bemühen, stellen dies in Rechnung und befürworten daher immer wieder vertrauensbildende Maßnahmen. Jedoch reduziert der Autor die ungeklärte Frage palästinensischer Staatlichkeit beziehungsweise das Problem der Anerkennung Israels durch die arabischen Akteure auf eine zwischenmenschliche Beziehungsstörung. Wenn er postuliert, dass nicht gegenseitige Gebietsansprüche die arabisch-israelischen Kontroversen begründen, sondern es vielmehr um ein Geflecht von emotionalen Beziehungen ginge, aus dem sich der arabisch-israelische Konflikt ableiten ließe, verkennt er das Wesen der Auseinandersetzungen. Nicht immer ist die Übertragung von Methoden und theoretischen Zugängen aus anderen Disziplinen für die Politikwissenschaft fruchtbringend, wenn, wie bei diesem Buch, nicht das eingeführte politikwissenschaftliche Instrumentarium ergänzt, sondern einfach über Bord geworfen wird. Inhalt: I.: 1. Das jüdische Volk. II. Die Dynamik des Friedensprozesses: 2. Der Friedensprozeß: eine geschäftliche oder eine emotionale Angelegenheit?; 3. Der Friedensprozeß als Prozeß emotionalen Wachstums; 4. Emotionale Widerstände gegen den Friedensprozeß; 5. Die ganze Welt ist gegen uns; 6. Der Faktor der Abschreckung; 7. Die Verleugnung von Aggression und Angst und der Preis, den wir dafür zahlen; 8. Ist unsere Wahrnehmung der Realität zuverlässig?; 9. Die palästinensischen Flüchtlinge; 10. Ein Palästinenserstaat; 11. Die israelischen Araber; 12. Syrien und der Libanon. III. Innerisraelische Probleme: 13. Von der Religion zum Staat; 14. Linke und Rechte; 15. Mörder oder Helden?
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.634.41 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Ofer Grosbard: Israel auf der Couch. Düsseldorf: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15729-israel-auf-der-couch_17943, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17943 Rezension drucken
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