/ 17.06.2013
Henner Fürtig (Hrsg.)
Islamische Welt und Globalisierung. Aneignung, Abgrenzung, Gegenentwürfe
Würzburg: Ergon 2001 (Bibliotheca Academica 10); 323 S.; kart., 38,- €; ISBN 3-935556-75-6Der Vordere Orient ist globalisierungsresistent. Diese These belegt Beck mit ökonomischen und kommunikationstechnischen Parametern wie Internetanschlüsse, ausländische Direktinvestitionen und Warenexporte. Die Statistiken wiesen hier nur niedrige Zahlen aus. Den Eliten in den erdölexportierenden Ländern fehle das Interesse, am wirtschaftlichen Globalisierungsprozess teilzunehmen und davon zu profitieren. Der Grund sei im Rent-Seeking zu suchen - mit den Gewinnen aus den Erdölexporten sei keine eigene Wirtschaft aufgebaut worden, vielmehr würden praktisch alle sozialen Gruppen von diesem Geld profitieren. Die politischen Eliten würden auf diese Weise ihre Macht wahren. Berücksichtigen sie bei einer Auswahl ihrer politischen Mittel auch religiöse Kriterien, ohne selbst religiöse Ziele zu verfolgen, diene dies der besseren Legitimation ihrer Herrschaft. Die Beiträge des Sammelbandes, die auf ein Symposium zurückgehen, das am Zentrum Moderner Orient in Berlin Ende 1999 veranstaltet wurde, beschränken sich allerdings nicht auf ökonomische Erklärungen. In weiten Teilen der islamischen Welt werde die Globalisierung auch deshalb abgelehnt, weil sie in politischer Hinsicht asymmetrische Strukturen festschreibe. So habe kein islamisches Land einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Darüber hinaus stelle sich aus islamischer Sicht ein grundsätzliches Problem: "Ob westliche 'Absicht' oder nicht, viele Muslime sehen durch die kulturellen Aspekte der Globalisierung ihre Identität gefährdet." (Fürtig [39])
Aus dem Inhalt: Henner Fürtig: Muslime in der Globalisierung: Wahrnehmungen und Reaktionen (17-50). 1. Politik: Martin Beck: Globalisierung als Bedrohung: Die Globalisierungsresistenz des Vorderen Orients als Ausdruck rationaler Reaktionen der politischen Eliten auf die neuen Entwicklungen im internationalen System (53-85); Henner Fürtig: Behauptung als Maxime - Jordaniens Strategie für das Ende des Ost-West-Konflikts (87-120); Ellinor Schöne: Muslime nach dem Ost-West-Konflikt: Sadiq al-Mahdi und die neue Weltordnung (121-146). 2. Kultur; 3. Wirtschaft: Steffen Erdle: Die Suche nach Karthago: Tunesien im Spannungsfeld zwischen Globalisierung und Regionalisierung (179-211); Steffen Wippel: Von "Tanger" bis "Barcelona": Zwischen Abgrenzung und Außenöffnung im marokkanisch-europäischen Verhältnis (213-247). 4. Technologie/Wissenschaft: Mona Abaza: Die Islamisierung des Wissens zwischen Partikularismus und Globalisierung: Malaysia und Ägypten (273-294).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 4.43 | 2.63 | 2.2 | 2.67
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Henner Fürtig (Hrsg.): Islamische Welt und Globalisierung. Würzburg: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16470-islamische-welt-und-globalisierung_18915, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18915
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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