/ 18.06.2013
Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)
Internationaler Reform-Report 2001
Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung 2001; 173 S.; brosch., 13,- €; ISBN 3-89204-584-4Das Sozialsystem befindet sich in der Kostenklemme. Nicht nur hierzulande, auch in anderen Ländern steht die Politik vor der Herausforderung, eine solide Finanzierungsgrundlage sowie Leistungsfähigkeit und Solidarität der Sicherungssysteme in Einklang bringen zu müssen. Der "Internationale Reform-Report 2001" bietet "eine Synopse und Bewertung der Ergebnisse der bisherigen, mehr als zweijährigen internationalen Netzwerkarbeit und -recherchen" im Rahmen des Projekts "Internationaler Reformmonitor" (14). Das Gros des Buches ist der Beschreibung einzelner Reformschritte in den 15 führenden Industrieländern gewidmet. Während die meisten Entwicklungen bereits in der Publikation "Internationaler Reformmonitor" dokumentiert werden, hebt der "Reform-Report" zusätzlich die prägnantesten Beispiele, wie etwa das "Flexicurity"-Konzept in den Niederlanden oder die Krankenversicherung in der Schweiz, hervor und erläutert sie ausführlich. Die anschließende Analyse stellt trotz der Maßnahmenvielfalt eine deutliche Konvergenz in den Reformzielen einzelner Staaten fest. "Wo in der Vergangenheit eine umfassende staatliche Versorgung im Vordergrund stand, sind die Reformaktivitäten daher zunehmend auf eine Stärkung der Eigenverantwortung gerichtet, und wo umgekehrt, wie vor allem in den USA, ein jeder in erster Linie auf sich selbst gestellt war, gehen sie vermehrt dahin, soziale Benachteiligungen zu reduzieren." (104) Nahezu alle Länder entdecken die Familienpolitik aufs Neue; sie bemühen sich, das Gesundheitswesen und die Alterssicherung leistungsfähig und zugleich bezahlbar zu halten. In jedem zweiten Land ist die bisherige pauschale Vergabe von Sozialleistungen der zielgerichteten Auszahlung gewichen. Auch die Arbeitsmarktderegulierung rückt in den Vordergrund. Ein Paradigmenwechsel ist im Gange: von einem versorgenden zu einem befähigenden und aktivierenden Staat. Und wo steht Deutschland? Im internationalen Vergleich können sich die deutschen Reformbemühungen sehen lassen. Ein gravierendes Manko bleibe jedoch in allen Bereichen der sozialen Sicherung bestehen: es mangelt an Transparenz.
Aus dem Inhalt: I. Soziale Sicherung zukunftsfest machen; II. Reformen im internationalen Überblick: 2.1 Gesundheits- und Pflegepolitik; 2.2 Rentenpolitik; 2.3 Familienpolitik; 2.4 Fürsorgepolitik; 2.5 Arbeitsmarktpolitik; 2.6 Tarifpolitik. III. Erkennbare Trends der Reformen; IV. Zusammenfassende Bewertung: 4.2 Wo steht Deutschland?
Tetyana Lutsyk (TL)
Lizentiat der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen (lic. oec. int.), Doktorandin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Wirtschaftspolitik, Universität Leipzig.
Rubrizierung: 2.262 | 2.342 | 2.4 | 2.5 | 2.61 | 2.64 | 2.66 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Tetyana Lutsyk, Rezension zu: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Internationaler Reform-Report 2001 Gütersloh: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17058-internationaler-reform-report-2001_19599, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19599
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Lizentiat der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen (lic. oec. int.), Doktorandin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Wirtschaftspolitik, Universität Leipzig.
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