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/ 21.06.2013
François Rüegg / Rudolf Poledna / Calin Rus (Hrsg.)

Interculturalism and Discrimination in Romania. Policies, Practices, Identities and Representations

Berlin: Lit 2006 (Freiburger Sozialanthropologische Studien 8); 342 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-8258-8075-0
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs vollzog sich in Osteuropa nicht nur ein Wechsel des politischen Systems, vielmehr ging auch ein gravierender gesellschaftlicher Wandel einher, in dessen Zuge sich vor allem die Frage nach dem Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen stellte. Während sich z. B. Tschechien und die Slowakei friedlich trennten, kam es auf dem Balkan zum Bürgerkrieg. Wie für die Baltischen Staaten stellte sich für Rumänien und Bulgarien im Zuge des EU-Beitritts die Herausforderung der Vorgaben zum Umgang mit Minderheiten. Dieser Band konzentriert sich auf Rumänien. Es geht um die Frage, wie die westeuropäischen Vorgaben antizipiert worden sind und wie der Umgang mit Minderheiten, etwa den Roma, organisiert wird. Zunächst werden dazu die Begriffe „interculturalism“ und „citizenship“ in zwei einleitenden Artikeln in ihrem historischen Kontext analysiert, anschließend folgen Beiträge zur Entwicklung der Minderheitenfrage in Rumänien. In mehreren Beiträgen geht es um das Schicksal der Roma, z. B. auch in Bulgarien und Ungarn. Zudem werden Vergleiche zur Lage der Bosnischen Muslime oder zur Situation in den Baltischen Staaten gezogen, die durch den Wandel der russischstämmigen Bevölkerung von der herrschenden Gruppe zur Minderheit gekennzeichnet ist. Ergänzend finden sich grundsätzlichere Analysen, etwa zum Stand der Interkulturalismus-Forschung in Rumänien. Außerdem konnten vier rumänische Persönlichkeiten gewonnen werden, die mit ihren Beiträgen den Verlauf des dem Band zugrunde liegenden dreijährigen Forschungsprojektes darlegen sollen, darunter Adrian Severin, ehemaliger Außenminister und Präsident der OSZE. In seinen vielseitigen Beiträgen liefert der Band einen weitaus differenzierteren Blick auf die Minderheitenproblematik in Ostmitteleuropa als dies mit der bloßen Untersuchung der EU-Anforderungen hätte geschehen können. Besonders interessant scheint die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen des Interkulturalismus als ein spezifisches kulturelles Projekt, das sich als etwas Umfassenderes darstellt als eine reine EU-Policy.
Carsten Michael Nickel (CMN)
B. A., Politikwissenschaftler, wiss. Hilfskraft, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.612.234.42 Empfohlene Zitierweise: Carsten Michael Nickel, Rezension zu: François Rüegg / Rudolf Poledna / Calin Rus (Hrsg.): Interculturalism and Discrimination in Romania. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26312-interculturalism-and-discrimination-in-romania_30648, veröffentlicht am 02.04.2008. Buch-Nr.: 30648 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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