/ 22.06.2013
Franziska Felder
Inklusion und Gerechtigkeit. Das Recht behinderter Menschen auf Teilhabe
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2012 (Campus Forschung 956); 319 S.; kart., 37,90 €; ISBN 978-3-593-39591-3Diss. Zürich; Begutachtung: U. Hoyningen-Süess, P. Schaber. – FranziskaFelderbeschäftigt sich mit der Frage nach dem moralischen Anspruch behinderter Menschen auf Inklusion. Im ersten Teil legt sie dafür die theoretischen und moralphilosophischen Grundlagen. Daraus entwickelt sie ihr Verständnis von Behinderung; das entscheidende Merkmal sieht sie in der Reduktion von Wohlergehen. Auf dieser Basis erörtert sie im zweiten Teil die Struktur und die normative Relevanz sowie das Recht auf Inklusion. Die Autorin unterscheidet zwischen einer „gemeinschaftliche[n]“ und einer „gesellschaftliche[n] Inklusion“ (135). Letztere verweist auf den Sozialstaat und den politischen Bereich. Die normative Bedeutung der Inklusion sieht die Autorin in geistigen und sozialen Entwicklungsprozessen, der Freiheit und der Anerkennung. Werden Menschen hiervon exkludiert, werde ihnen ein gutes Leben verwehrt. Um dies zu vermeiden, müssten bestimmte Rechte auf Inklusion bestehen. Unterschieden wird zwischen einem Recht auf gesellschaftliche Nicht-Diskriminierung, auf gesellschaftliche Inklusion und auf „Ermöglichungsbedingungen“, für deren Umsetzung der Staat verantwortlich sein sollte. Felder benennt hier einige notwendige Maßnahmen, wobei gerade das „Recht auf Ermöglichungsbedingungen“ (254) für Behinderte einige institutionelle Veränderungen mit sich bringen könne, da viele Behinderte durch Umweltbedingungen in ihrem Wohlergehen beeinträchtigt werden. Wie sich diese Rechte jedoch konkret ausgestalten lassen, sollte im Rahmen eines öffentlichen Aushandlungsprozesses geklärt werden. Zudem stelle Inklusion zwar ein berechtigtes Interesse von Menschen dar, schreibt Felder, doch lasse es sich nur begrenzt erzwingen – auch nicht vom Staat. Als Beispiele nennt sie Liebe und Freundschaft. Damit erteilt die Autorin vielfachen Inklusionsansprüchen und -wünschen eine Absage, da sie diese teilweise für unrealistisch oder gar antiliberal hält – stattdessen plädiert sie für Freiwilligkeit, Zuwendung und Solidarität. In einem abschließenden dritten Teil werden die theoretischen Erkenntnisse auf den Bereich der Sonderpädagogik angewandt, wobei die Grenzen des Inklusionsauftrags aufgezeigt werden. Insgesamt handelt es sich um ein sehr anspruchsvolles Buch, dessen diskussionswürdiger Inhalt sich hier nur ansatzweise wiedergeben lässt.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.44 | 2.23 | 4.42 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Franziska Felder: Inklusion und Gerechtigkeit. Frankfurt a. M./New York: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35080-inklusion-und-gerechtigkeit_42221, veröffentlicht am 31.01.2013. Buch-Nr.: 42221 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenDipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA