/ 28.05.2014
Christian Giordano / Nicolas Hayoz (Hrsg.)
Informality in Eastern Europe. Structures, Political Cultures and Social Practices
Bern u. a.: Peter Lang 2013 (Interdisciplinary Studies on Central and Eastern Europe 11); 490 S.; 99,80 €; ISBN 978-3-0343-1455-8Informelle Strukturen und Praktiken in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft können einerseits als Hindernis für Demokratisierungsprozesse, anderseits als wichtige Anpassungsstrategien gedeutet werden. In diesem interdisziplinär angelegten Band wird das Phänomen Informalität im östlichen Europa aus der Perspektive der Politikwissenschaft, Soziologie und Anthropologie betrachtet. Auf einen ersten Abschnitt mit theoretischen und vergleichend angelegten Überlegungen folgen zwei geografisch gegliederte Kapitel, die Fallbeispiele aus Ostmittel‑ und Südosteuropa sowie aus dem postsowjetischen Raum versammeln. Einen zentralen Bezugspunkt bilden die Arbeiten der US‑amerikanischen Politologen Gretchen Helmke und Steven Levitsky zum Verhältnis von informellen Institutionen und Demokratie in Lateinamerika. Neben der Anwendung auf das östliche Europa erfolgte durch das herausgebende Interfaculty Institute for Central and Eastern Europe an der Universität Fribourg mit einer Tagung im November 2013 mittlerweile auch eine Übertragung auf den zentralasiatischen Raum, was weitere Vergleichsmöglichkeiten für die Nachfolgestaaten der Sowjetunion eröffnet. Mitherausgeber Christian Giordano betrachtet Informalität aus anthropologischer Perspektive im eingangs genannten Spannungsfeld als „Schmiermittel“ (15) in der Organisation des öffentlichen Lebens einer Gesellschaft. Angesichts negativer Erfahrungen mit staatlichen Akteuren, wie sie am Beispiel mafiöser Strukturen im Mittelmeerraum geschildert werden, erscheinen informelle Handlungen als Rational‑Choice‑Alternative für die davon betroffenen Menschen und Gruppen. Nicole Gallina zeigt am Beispiel der Tschechischen Republik, wie Informalität als Herrschaftsinstrument politischer Eliten etwa im Justizsystem zur Anwendung kommt. Elvira Leontyeva untersucht russische Universitäten als „Spiegel sozialer Regeln und Normen“ (375) im Hinblick auf Bestechungspraktiken, wobei im Unterschied zu massenmedialen Darstellungen eher nichtmonetäre Formen von Korruption dominieren.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.2 | 2.23 | 2.61 | 2.62 | 2.68 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Christian Giordano / Nicolas Hayoz (Hrsg.): Informality in Eastern Europe. Bern u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37131-informality-in-eastern-europe_45330, veröffentlicht am 28.05.2014. Buch-Nr.: 45330 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenM. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
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