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/ 21.06.2013
Philipp Casula / Jeronim Perovic (Hrsg.)

Identities and Politics During the Putin Presidency. The Discursive Foundations of Russia's Stability

Stuttgart: ibidem-Verlag 2009 (Soviet and Post-Soviet Politics and Society 92); 406 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-8382-0015-6
Die externe (westliche) Wahrnehmung und Reflexion der politischen und nationalen Entwicklung Russlands unter Putin ist immer wieder geprägt durch einen normativ verurteilenden und einseitig bewertenden Blick. Dass dies keine unvermeidliche Perspektive ist, beweisen die 21 Autorinnen und Autoren in ihren Beiträgen. Es ist ihr Grundanliegen, die Wirkungsmechanismen der Putin’schen Politik offenzulegen und die Stabilität des Systems zu erklären. Es geht weniger darum, eine ideologische Bewertung des russischen Transformationspfades zu wiederholen, sondern vielmehr um das Nachvollziehen durch die Innenperspektive. Diese nationale Perspektive wird methodisch durch die interdisziplinär fruchtbaren Instrumente der Diskursanalyse gestützt. Für ein umfassendes Bild wurde das Buch in fünf Kapitel unterteilt, in denen jeweils ein Teilaspekt der Frage bearbeit wird, wie soziale Identitäten entstehen und wie sie stabilisierend wirken können. Den Aufschlag macht David Howarth mit seiner Analyse zum russischen Populismus als Teilaspekt der dominierenden Diskurse in und über die russische Politik. Allerdings wird hier primär das Konzept zum Populismus von Laclau vorgestellt, weniger auf Russland als Fallbeispiel eingegangen. In weiteren Aufsätzen werden die Implikationen der westlichen Regimezuweisungen (wie souveräne Demokratie und Ähnliches) in Bezug auf die politische Praxis untersucht. Die thematische Spannbreite reicht hier von der klassischen Regimeanalyse bis hin zur Diskursanalyse über die Ideologie Putins und die offizielle politische Rhetorik. Hervorzuheben sind auch die Beiträge über Symboliken und Erinnerungskultur. So diskutiert Ivo Minjnssen beispielsweise die Mythifizierung des Sieges über den Faschismus als herrschaftsstabilisierenden Diskurs. Andrey Makarychev widmet sich wiederum dem – ebenso für die politische Stabilität instrumentalisierten – Zusammenspiel von Fiktion und Film zur Konstruktion einer russischen Identität. In der Gesamtschau wird durch die Vielzahl der Beiträge ein facettenreiches Bild der russischen Identität und eine Dependenz zwischen politischer Identitätsbildung und der daraus resultierenden Stabilität des politischen Systems gezeichnet; allerdings bedingt die Menge der Beiträge auch deren Kürze, sodass die Analysen mitunter knapp ausfallen.
Anja Franke-Schwenk (AF)
Dr. des., wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.622.22.222.232.25 Empfohlene Zitierweise: Anja Franke-Schwenk, Rezension zu: Philipp Casula / Jeronim Perovic (Hrsg.): Identities and Politics During the Putin Presidency. Stuttgart: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31839-identities-and-politics-during-the-putin-presidency_37963, veröffentlicht am 12.01.2012. Buch-Nr.: 37963 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA