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/ 22.06.2013
Matthias Middell / Felix Wemheuer (Hrsg.)

Hunger and Scarcity under State-Socialism

Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2012 (Global History and International Studies 3); 383 S.; hardc., 33,- €; ISBN 978-3-86583-224-5
2008 organisierte Felix Wemheuer einen Workshop zum Thema „Hunger und Mangel in sozialistischen Staaten“, zu dem Matthias Middell sowie weitere Wissenschaftler aus Leipzig nach Wien eingeladen wurden. Die durch den Workshop initiierte gemeinsame Forschung zwischen Wien und Leipzig hat bereits die Publikation „Hunger, Ernährung und Rationalisierungssysteme unter dem Staatssozialismus“ (siehe Buch‑Nr. 41468) hervorgebracht. Dieser Sammelband knüpft an diese Veröffentlichung an, erreicht werden soll aber auch ein nicht‑deutschsprachiges Publikum. Außerdem wird der vergleichende Blick geweitet, indem ebenfalls die russische Hungersnot 1923, die Rationalisierungssysteme in der Tschechoslowakei in den frühen 1960er‑Jahren sowie das Konzept der öffentlichen Speisesäle in China beleuchtet werden. So stellt Martin Franc in seinem Artikel heraus, dass es in der Tschechoslowakei zwar keine Hungersnöte wie in afrikanischen oder asiatischen Staaten gab, aber sich die Versorgungslage aufgrund der ökonomischen Krise doch deutlich verschlechterte. Obgleich Novotný der Bevölkerung versprach, dass sie bald mit Fleisch versorgt werden würde, vertrauten die Tschechoslowaken nicht auf diese Zusicherung, sondern reisten in die großen Städte des Landes, um dort nach stundenlangem Anstehen Nahrungsmittel zu kaufen. Aufgrund dieser Entwicklungen befürchtete die Kommunistische Partei eine Krise, weswegen sie Restriktionen einführte, die Medien benutzte, Normen aufweichte und fleischlose Tage in der öffentlichen Speisung einführte. Felix Wemheuer arbeitet in seinem Beitrag die Wurzeln der von Intellektuellen entwickelten Idee der öffentlichen Speisung heraus. Zwar fand diese Idee im Zuge des von Mao eingeführten Großen Sprungs nach vorn ihre bisher einzige Verwirklichung, verfolgte aber in ihrer theoretischen Absicht deutlich mehr als nur die Ernährung der Bevölkerung: Durch die öffentliche Speisung sollte das gesamte menschliche Leben, die Produktion und die Reproduktion im Sinne der kommunistischen Idee verändert werden.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.252.622.64 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Matthias Middell / Felix Wemheuer (Hrsg.): Hunger and Scarcity under State-Socialism Leipzig: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35646-hunger-and-scarcity-under-state-socialism_43026, veröffentlicht am 13.02.2013. Buch-Nr.: 43026 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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